Autoindustrie : Opel-Verkauf zieht sich noch lange hin

Die Treuhand lässt erkennen, dass Magna vorne liegt. Aber noch prüfen mehrere Interessenten die Bücher

Rolf Obertreis
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Solidaritätsadresse: Beim Klassikertreffen in Rüsselsheim kreuzte auch Opel-Chef Hans Demant im gelben Opel-Hemd auf. Foto: dpa

Frankfurt am Main - Der Verkauf des angeschlagenen Autobauers Opel und der Schwestermarke Vauxhall wird sich noch sieben bis neun Monate hinziehen. „Das ist kein einfaches Verfahren, schließlich geht es um 60 einzelne Gesellschaften und es gibt sehr verschiedene Interessen“, sagte Fred Irwin, Vorsitzender des Beirates der Opel-Treuhandgesellschaft und zugleich Präsident der amerikanischen Handelskammer AmCham, am Montag in Frankfurt am Main. „Das wird kein Feuerverkauf. Opel steckt auch nicht in einer Notsituation, die 50 000 Mitarbeiter in Europa werden nicht arbeitslos.“

Die Tochter des insolventen US-Autobauers General Motors (GM) verfügt nach Angaben von Irwin derzeit über liquide Mittel zwischen 100 und 300 Millionen Euro. Alle Lieferanten würden pünktlich bezahlt. Wie hoch die Verluste sind, die Opel Tag für Tag macht, wisse er nicht, sagte Irwin. Die Schätzungen schwanken aktuell zwischen drei und fünf Millionen Euro. Opel liege aber beim Verkauf bis Ende Mai über den Planzahlen.

Irwin machte zwar keine detaillierten Angaben zu den Kaufinteressenten, ließ aber durchblicken, dass der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna die besten Karten besitzt. Er sei im Moment der Hauptverhandlungspartner. Noch allerdings ist der virtuelle Datenraum geöffnet, in dem sich auch andere Interessenten einen Einblick in die Zahlen von Opel und den anderen 59 GM-Tochtergesellschaften verschaffen. Nach den Worten von Irwin nehmen aktuell vier bis fünf „ernsthafte“ Kaufinteressenten dieses Angebot von GM an. Wann der Datenraum geschlossen werde, sei noch offen. Deshalb sei auch noch nicht absehbar, ob möglicherweise schon bis Mitte Juli ein Vorvertrag über den Verkauf von Opel unterzeichnet werden könne. Irwin erwartet, dass der Treuhand drei bis vier Angebote mit konkreten Geschäftsplänen vorgelegt werden.

Die Opel-Treuhand hält für die Zeit der Verkaufsverhandlungen im Namen von Bund und Ländern 65 Prozent der Anteile der europäischen GM-Gesellschaften, der Rest liegt bei GM. Die Treuhand überwacht den Verkaufsprozess, billigt am Ende den Verkaufsvertrag, über den letztlich aber die Bundesregierung und GM entscheiden. Daneben überwacht die Treuhand die Restrukturierung und genehmigt alle wichtigen Geschäftsmaßnahmen bei Opel. Bund und Länder haben für Opel einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro genehmigt, von dem bislang 300 Millionen Euro abgerufen wurden. Dazu gibt es weitere Staatsgarantien in Höhe von drei Milliarden Euro.

Irwin betonte auch, dass GM mit möglichen Interessenten derzeit intensiv an einer Lösung für die Pensionsverpflichtungen bei Opel in Höhe von vier Milliarden Euro arbeite.

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