Wirtschaft : Autoindustrie rechnet mit Produktionsrekord

DRESDEN (AP).Die deutsche Autoindustrie hat ihre Prognose für die Jahresproduktion 1998 noch einmal erhöht.Der bisher angestrebte Produktionsrekord von fünf Mill.Autos könne übertroffen werden, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk, am Donnerstag in Dresden.Möglich sei die Fertigung von bis zu 5,1 Mill.Autos.Von Januar bis September seien mit rund 4,1 Mill.Wagen elf Prozent mehr gebaut worden als im Vorjahreszeitraum.Kräftig gestiegen seien auch die Exporte und die Neuzulassungen."Die Zahlen sind allerdings besser als das allgemeine Umfeld", sagte Gottschalk.

Angesichts der labilen Inlandsnachfrage warnte Gottschalk die künftige rot-grüne Bundesregierung, die Autofahrer zusätzlich zu belasten.Auch frühere Mineralölsteuern hätten sich negativ auf die Automobilnachfrage ausgewirkt.Ein allgemeines Tempolimit bezeichnete er als "Ladenhüter" aus einer Zeit, als es noch keine intelligente und flexible Verkehrssteuerung wie heute gab.Diese Maßnahme würde die Attraktivität der deutschen Automobiltechnik und das Image deutscher Fahrzeuge am Weltmarkt nachhaltig beschädigen.Eine Mineralölsteuererhöhung oder ein Tempolimit würden die Autokonjunktur gefährden und wären ein "beschäftigungspolitisches Spiel mit dem Feuer".Gottschalk forderte die Politiker auf, die Bedingungen für die Autoindustrie nicht zu verschlechtern.Eine Erhöhung der Mineralölsteuer würde zur Kaufzurückhaltung führen.Zudem bleibe es fraglich, warum gerade die Autofahrer die zweifellos begrüßenswerte Senkung der Sozialversicherungsbeiträge finanzieren sollten.Eine Senkung der konsumtiven Staatsausgaben wäre der wesentlich einleuchtendere Weg.Außerdem warnte Gottschalk auch vor den Folgen der nächsten Tarifrunde.Man dürfe die Wettbewerbsfähigkeit auf der Kostenseite nicht aus den Augen verlieren.Die Automobilindustrie habe in den vergangenen Jahren mit zum Teil schmerzlichen Prozessen die Produktivität gesteigert.Die künftigen Tarifrunden dürften dies nicht aufs Spiel setzen.

Im September wurden laut Gottschalk in Deutschland noch nie so viele Fahrzeuge hergestellt wie bisher in einem Monat.Mit 535 700 Autos übertraf die Kraftwagenfertigung das Vorjahresergebnis um 17 Prozent.Schätzungsweise rund drei Mill.Fahrzeuge seien von Januar bis September neu angemeldet worden, rund vier Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.Lebhafter als der Inlandsabsatz sei der Export gelaufen.Mit einem Anstieg um fast zwölf Prozent in den ersten drei Quartalen 1998 (rund 2,5 Mill.Autos) sei der Export auch in diesem Jahr "Schrittmacher" der Pkw-Konjunktur geblieben."Wir werden 1998 mit mehr als drei Mill.Pkw einen erneuten Exportrekord erreichen", sagte Gottschalk.Die Auftragseingänge aus dem Inland seien jedoch bei den deutschen Herstellern seit Monaten rückläufig.Gottschalk verwies zugleich auf ein sattes Auftragspolster von derzeit 717 000 Wagen, das noch abgearbeitet werden müsse.Der Auftragsbestand werde bis 1999 hineinreichen.Von Januar bis September seien sieben Prozent weniger inländische Bestellungen eingegangen als ein Jahr zuvor.Die Auslandsorder habe dagegen im gleichen Zeitraum das entsprechende Vorjahresvolumen um fünf Prozent übertroffen.

Nach Verbandsangaben beschäftigt die deutsche Automobilindustrie 720 000 Arbeitnehmer, davon rund 22 000 in den neuen Bundesländern.Seit Ende 1996 habe sich die Zahl dieser Beschäftigten damit in Deutschland um 65 000 erhöht.

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