Wirtschaft : Autoindustrie: Volkswagen verkauft Pkw in Deutschland besonders teuer

In Deutschland kosten Neuwagen mehr als in allen anderen Ländern der Euro-Zone. 34 Fahrzeug-Modelle seien sogar mehr als 20 Prozent teurer als anderswo, hieß es in einer am Montag von der EU-Kommission in Brüssel veröffentlichten Studie. Demnach ist vor allem die Anschaffung der Marken VW, Audi und Seat des deutschen Volkswagen-Konzerns sowie vieler japanische Modelle in Deutschland kostspielig. Die EU-weit höchsten Preise werden in Großbritannien verlangt, die niedrigsten in Finnland, Spanien, den Niederlanden und Dänemark. Angesichts der weiterhin "erheblichen Preisunterschiede" warnte Wettbewerbskommissar Mario Monti die Fahrzeughersteller davor, die Verbraucher am Autokauf im EU-Ausland zu hindern.

Die Kommission kritisierte das Preisgefälle als weiterhin zu hoch. Ihrer Ansicht nach sollten die Unterschiede maximal zwölf Prozent, in Ausnahmefällen 18 Prozent betragen. In der Studie mussten die Wettbewerbshüter aber feststellen, dass "nur wenige Hersteller das Preisgefälle für ihre Modelle in der Euro-Zone auf höchstens 20 Prozent begrenzen". Die Gründe für die großen Unterschiede liegen nach Angaben eines Kommissions-Mitarbeiters vor allem in der Preispolitik der Unternehmen. Mit Währungsschwankungen (bei den Nicht-Euro-Ländern) und Steuern allein könnten sie nicht erklärt werden.

Der EU-Bericht wird alle sechs Monate erstellt und basierte dieses Mal auf den Preisen vom vergangenen November. Demnach kostet ein VW Golf vor Steuern in Deutschland durchschnittlich 23 272 Mark und damit fast ein Drittel mehr als in Finnland, wo er für umgerechnet rund 17 500 Mark zu haben ist. In Großbritannien liegt der Preis umgerechnet sogar bei mehr als 24 000 Mark. Ganz anders dagegen die Luxuskarosse Mercedes S320: Mit 99 900 Mark ist das Gefährt in Deutschland vergleichsweise günstig zu haben, in Portugal sind dagegen umgerechnet mehr als 110 000 Mark fällig.

Auffällig ist, dass im Nicht-Euro-Land Großbritannien die Preise trotz Währungsabwertung und Preissenkungen noch immer an der Spitze liegen. Gründe dafür sind unter anderem das starke Pfund und die Kosten für die Umrüstung der Fahrzeuge auf Linksverkehr. Eine der Ursachen für das gute Abschneiden von Finnland und den Niederlanden ist dagegen, dass die Preise vor Steuern verglichen wurden. Um die extrem hohen Verkaufssteuern auszugleichen, liegt der Grundpreis besonders niedrig.

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