Wirtschaft : Autoindustrie vor Auftragswende

Nachfrage aus dem Inland zieht an / Seit Jahresanfang 25 000 neue, aber befristete Arbeitsplätze

BERLIN (mot).Die deutschen Automobilhersteller wollen angesichts einer wieder steigenden Nachfrage im Inland und boomender Exporte in diesem Jahr vier Prozent mehr Fahrzeuge produzieren als 1996.Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, sagte am Dienstag in Berlin, das prognostizierte Produktionsvolumen von fünf Millionen Pkw und Nutzfahrzeugen werde bis zum Jahresende voraussichtlich leicht übertroffen.Der lebhafte Auftragseingang hat in der Branche seit Ende vergangenen Jahres auch zu mehr Beschäftigung geführt.Nach Angaben Gottschalks sind zwischen Januar und Oktober 25 000 neue Stellen entstanden.Allerdings seien 45 Prozent der Verträge befristet.Dies zeige, wie "dünn das Eis zusätzlicher Beschäftigung noch ist".Insgesamt beschäftige die Autoindustrie derzeit wieder über 681 000 Mitarbeiter - Ende 1996 waren es 655 000, sechs Jahre zuvor noch 770 000. Die Umwandlung der befristeten Arbeitsverhältnisse in dauerhafte dürfe nicht durch neue Belastungen für Autofahrer und Industrie gefährdet werden, warnte Gottschalk mit Blick auf die Diskussion um eine Mineralölsteuererhöhung zur Finanzierung der Rentenreform."Die Strukturprobleme der Rentenversicherung lassen sich nicht an der Zapfsäule lösen", sagte der VDA-Präsident.Auch dürfe die bislang geübte Lohnzurückhaltung nicht aufgegeben werden: "Stellenzuwachs hat Vorrang vor Lohnzuwachs." Die Perspektive, in der Autoindustrie auch im kommenden Jahr mehr Arbeitsplätze zu schaffen, sei "nicht schlecht", abgesicherte Prognosen stünden aber noch aus.Den Stellenzuwachs teilten sich zur Hälfte Zulieferer und Hersteller.40 Prozent aller in der Branche Beschäftigten arbeiteten inzwischen bei Zulieferern.Dies sei das Ergebnis der Konzentration der Autobauer auf die Kernfertigung sowie der "schlankeren Wertschöpfungsarchitektur" der Unternehmen. Gottschalk zufolge registrierte die Branche im Oktober mit rund 310 000 Fahrzeugen wieder ein Plus bei den Pkw-Neuzulassungen.Zwischen Januar und Oktober seien in Deutschland insgesamt 3,01 Mill.Pkw neu zugelassen worden, ein im Jahresvergleich leichter Zuwachs von 0,4 Prozent.Produziert wurden im Oktober 410 000 Pkw, ein Prozent mehr als im Vorjahresmonat.Seit Jahresanfang liefen 3,9 Mill.Pkw von den Bändern, ein Plus von drei Prozent.Bei Nutzfahrzeugen sei im gleichen Zeitraum ein Fertigungszuwachs von 14 Prozent auf 285 600 Einheiten erreicht worden.Vor allem im Lkw-Segment bleibe der Wettbewerb "knüppelhart". Den Takt der Produktion angegeben habe der Export, erklärte Gottschalk.In den vergangenen zehn Monaten kletterte die Zahl der ausgeführten Pkw um sieben Prozent auf über 2,3 Mill., um 15 Prozent auf 179 000 stieg der Export von Nutzfahrzeugen.Die größten Zuwächse seien im Pkw-Bereich in Nordamerika und in Osteuropa erzielt worden.Erfreulich sei auch der Auftragseingang.So wurde im Inland in diesem Jahr 11 Prozent mehr geordert, das Ausland bestellte 8 Prozent mehr bei deutschen Automobilherstellern.Der Auftragsbestand lag im Oktober bei insgesamt 604 000 Fahrzeugen. Nach Angaben Gottschalks wird inzwischen jeder dritte Pkw und jeder zweite Lkw deutscher Hersteller im Ausland produziert.Die "Globalisierung der Branche" zeige sich im zweistellig wachsenden Auslandsanteil bei der Produktion.So seien in diesem Jahr 13,4 Prozent mehr Pkw, 17,3 Prozent mehr Nutzfahrzeuge und insgesamt rund 2 Mill.Fahrzeuge im Ausland hergestellt worden. "Deutsche Autos sind in der Welt nach wie vor gefragt", unterstrich Gottschalk.Gleichwohl seien "Jubelposen" nicht angebracht.Die deutschen Hersteller hätten einige Hausaufgaben noch zu machen.Die Aufträge müßten nun flexibel abgearbeitet werden, ohne die Kapazitäten zu erhöhen, da diese im nächsten Abschwung wieder zur Last werden könnten.Die diesjährige Autoausstellung IAA in Frankfurt (Main) habe gezeigt, daß die Produktoffensiven deutscher Hersteller, deren Tempo vom Markt vorgegeben werde, ankämen.Der VDA wird an diesem Mittwoch zu seiner Vorstandssitzung in Berlin zusammenkommen.

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