Autoindustrie : VW-Chef rechnet mit "schmerzhaften Veränderungen"

Für Volkswagen kann es "ein 'Weiter so' nicht geben". Das sagt jedenfalls Konzernchef Winterkorn. Wie die Einschnitte wegen der Absatzkrise aussehen könnten, lässt er aber offen.

VW-Chef Martin Winterkorn
Gequältes Lächeln: VW-Chef Martin Winterkorn -dpa

Wolfsburg/MünchenAngesichts der dramatischen Absatzkrise in wichtigen Märkten steht die Automobilindustrie aus Sicht von VW-Chef Martin Winterkorn vor "schmerzhaften Veränderungen". Volkswagen rechnet damit, dass der Absatzeinbruch anhält und sich unter Umständen noch verschärft, wie Winterkorn der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Zwar sei VW derzeit "sehr gut" aufgestellt, aber auch für den Wolfsburger Autobauer gelte: "Ein weiter so kann es nicht geben."

Winterkorn rechnet für das kommende Jahr mit einem Rückgang des Gesamtabsatzes auf dem Weltmarkt von 20 Prozent. Zwar werde VW besser als der Markt sein, auch für den Wolfsburger Autokonzern aber könnte sich ein Rückgang von etwa zehn Prozent ergeben. Der Auto-Absatz ist in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem in Nordamerika und Westeuropa drastisch zurückgegangen. Viele Autobauer haben die Produktion deutlich heruntergefahren. Die Krise der US-Autobauer General Motors (GM), Chrysler und Ford hat sich dramatisch verschärft. Vor allem GM und Chrysler sind von der Insolvenz bedroht.

Winterkorn sagte der Zeitung, VW halte trotz der derzeit katastrophalen Lage auf dem US-Automarkt an dem geplanten Bau eines Werks in den USA fest. "Die USA werden weiterhin Autos brauchen, die Mobilität in den USA ist nur mit Autos zu gewährleisten. Deshalb liegen wir mit dieser Investition genau richtig. Wir wollen für die Zeit nach dem Abschwung gerüstet sein."

PKW-Projekte stehen auf dem Prüfstand

Auf einem Treffen der VW-Führungskräfte in Dresden am kommenden Donnerstag will Winterkorn das Top-Management auf harte Zeiten einstimmen. Ein Vertrauter Winterkorns sagte der Branchenzeitung "Automobilwoche" mit Blick auf die Managementkonferenz: "Wir rechnen mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme und mit unmissverständlichen Spar-Appellen."

Laut "Automobilwoche" lässt Winterkorn unter anderem die Stückzahlprognosen für die bereits fertiggestellten oder noch im Bau befindlichen VW-Werke in Russland, Indien und den USA nochmals überprüfen. Im Zuge des jüngst beschleunigten Trends zu kleineren Fahrzeugen und verbrauchsgünstigen Motoren würden zugleich zahlreiche PKW-Projekte auf ihre Machbarkeit hin analysiert. "Derzeit wird intensiv die Frage diskutiert, welche Autos der Zukunft womöglich auf Eis gelegt oder ganz gestrichen werden sollten", zitierte die Zeitung einen VW-Insider.

Bei Europas größtem Autokonzern war der Absatz im November eingebrochen. Die Zahl der Auslieferungen weltweit sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,5 Prozent auf rund 447.000 Fahrzeuge. Im vierten Quartal stellten die Einbrüche auf dem Weltmarkt auch VW "massiv auf die Probe", hatte Konzernvertriebschef Detlef Wittig gesagt. In den ersten elf Monaten des Jahres 2008 steigerte der Konzern den Absatz gegen den Trend in der Automobilindustrie aber noch um knapp ein Prozent auf 5,73 Millionen Fahrzeuge.
(sf/dpa)

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