Wirtschaft : "Autokäufer können sich auf Schnäppchen freuen"

hop/brö

Seit dieser Woche herrschen im deutschen Autohandel amerikanische Verhältnisse - aber vorerst nur für die Kunden des japanischen Autoherstellers Nissan. Entschließt sich ein Verbraucher zum Kauf eines Nissan, wird der Preis durch die Nissan Bank zu einem Zinssatz von null Prozent finanziert. Die maximale Laufzeit dieses zinslosen Darlehens beträgt 36 Monate. Sogar auf eine Anzahlung von normalerweise zehn Prozent könne bei entsprechender Bonität des Kunden verzichtet werden, erläuterte ein Berliner Autohändler am Freitag dem Tagesspiegel. Die Aktion gilt zunächst nur für das erste Vierteljahr 2002.

Großzügige Rabatte in den USA

In den USA werben die Autohersteller seit den Anschlägen vom 11. September verstärkt mit großzügigen Rabatten und Nullfinanzierungen um Kunden. Bisher konnten vor allem General Motors und Ford dadurch verhindern, dass die Nachfrage nach Neuwagen - im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Abkühlung und der Terror-Anschläge vom 11. September - einbricht. Doch subventionieren die Produzenten so jeden Wagen mit mehreren tausend Dollar, um keine Marktanteile an die Konkurrenz abgeben zu müssen. Und das belastet die Bilanzen der Konzerne stark.

Ähnlich agressive Werbekampagnen wie in den USA sind in Deutschland jedoch in diesem Jahr kaum zu erwarten. Trotz der Nissan-Verkaufsaktion und zum Teil hoher Überkapazitäten bei den Herstellern würden sie sich keinen existenzbedrohenden Preiskampf liefern, erwarten Branchenkenner. Ohnehin würden die Autobauer in ihren Fabriken derzeit Betriebsteile abbauen und sich auf die produktivsten Linien konzentrieren. Statt über einen Rabattkrieg werde werde der Wettbewerb eher über Sonderangebote für allmählich betagte Modelle geführt.

Außerdem, heißt es bei einem Importeur, spiele in Deutschland der Servicedes Händlers für einen Autokäufer oft eine größere Rolle als ein Kampfpreis. "Der Kunde möchte lieber einige kostenlose Inspektionen oder günstige Ersatzteile", weiß ein Mitarbeiter.

Die französische Nissan-Mutter Renault plane daher auch vorerst keine aggressive Nullfinanzierung, sagte eine Sprecherin der deutschen Renault-Niederlassung in Brühl am Freitag dem Tagesspiegel. Ebenfalls gelassen gibt man sich bei Volkswagen, dem Marktführer auf dem deutschen Automarkt. Dietmar Kupsch, Sprecher der VW Financial Services in Wolfsburg, sagte über die Nullfinanzierung: "Für uns ist so etwas nicht denkbar." Die Finanzierungssätze hätten sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Bisher sei Volkswagen nicht unter die Zinsen am Kapitalmarkt gegangen. "Das würde bedeuten, wir kaufen das Geld teurer ein als wir es verkaufen - das macht keinen Sinn", erläuterte Kupsch.

Dennoch steht den deutschen Autokäufern ein Frühjahr mit zahlreichen Sonderangeboten bevor. Der Wettbewerb unter Massenherstellern wie Ford, Opel, Renault und Volkswagen werde sich verschärfen, erwartet Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Die Marktführer haben zahlreiche betagte Modelle im Angebot, die sie losschlagen müssen. Da wird sich Neuwagenkäufern die Chance auf so manches Schnäppchen bieten", sagte er. So müsse Opel seine schon seit Längerem angebotenen Modelle Astra und Corsa gegen starke Neuvorstellungen verteidigen. Auch der Ford Focus und der VW Golf würden schon länger angeboten, hier seien am bröckelnde Preise zu erwarten, so Dudenhöffer.

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