Autokonzern : VW-Porsche: Der Machtkampf geht weiter

Fusion oder Integration? Die Wolfsburger sehen sich im Vorteil, doch Porsche-Chef Wiedeking hält dagegen: Wir haben uns durchgesetzt.

Alfons Frese
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Tolle Produkte gibt es von Porsche und VW. Aber welche Firma baut künftig die Autos. Und wer ist der Chef? Foto: AFP

Berlin - Wenige Stunden nach der Familienentscheidung über einen „integrierten Automobilkonzern“ begannen am Donnerstag in Wolfsburg und Stuttgart die Positionskämpfe. Vor allem IG Metall und Betriebsräte reklamieren weitreichende Mitbestimmungsrechte bei der Bildung des neuen VW-Porsche-Konzerns. Gleichzeitig gab es erste Interpretationen, was unter einem „integrierten Konzern“ zu verstehen ist und wer den Machtkampf gewonnen hat. Für den Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking gibt es da keine Zweifel. „Wir haben unser Konzept durchgesetzt“, sagte Wiedeking nach Angaben von Teilnehmern auf einer Betriebsversammlung in Stuttgart vor 3000 Porsche-Beschäftigten. Der Zusammenschluss sei aber „keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe“, so Wiedeking weiter.

In Wolfsburg dagegen meinte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, von einem Zusammenschluss könne keine Rede sein. Einige würden offenbar „die Begriffe Fusion und Integration verwechseln“, meinte der Betriebsratsvorsitzende. „Mit uns ist besprochen, dass der Weg zu einem integrierten Konzern völlig offen ist“, sagte Osterloh weiter vor 200 VW- und Audi-Betriebsräten. Eine Fusion sei dabei „nur ein Weg“. Osterloh sowie VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch wollen Wiedeking loswerden. Der Porsche-Chef brüskierte durch bisweilen arrogantes Verhalten die Wolfsburger. Wiedeking hatte in den vergangenen Jahren den Anteil von Porsche an VW nach und nach auf zuletzt gut 50 Prozent erhöht und dabei Herr-im-Haus-Allüren nicht immer unterdrücken können.

Nachdem sich Porsche mit dem Kauf der VW-Aktien übernommen hatte, standen zwei Varianten als Ausweg aus der Schuldenfalle zur Auswahl: eine Fusion, wie von Wiedeking vorgeschlagen, oder der Kauf von Porsche durch VW, wie von Piëch favorisiert. Am Mittwoch hatten die Familien Porsche und Piëch, die den Sportwagenbauer und damit auch gut die Hälfte von Volkswagen besitzen, sich mit der Problematik befasst und die „Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns“ beschlossen. Wie der genau aussieht, sollen beide Unternehmen in den kommenden vier Wochen mit dem VW-Großaktionär Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern aushandeln. Dabei gibt es einiges zu klären: Wer führt die neue Firma und wo hat sie ihren Sitz? Was bedeutet am Ende „Integration“? Da Porsche als zehnte Marke neben den schon vorhandenen neun VW- Marken stehen soll, sieht es eher nach einer Übernahme durch VW aus. Wie behält das Land Niedersachsen seine Sperrminorität nach dem VW-Gesetz? Gibt es eine Kapitalerhöhung, wie die Familien Porsche und Piëch andeuten, und wer beteiligt sich daran? Kommt womöglich ein weiterer Großaktionär aus dem arabischen Raum hinzu?

Die Betriebsräte jedenfalls beharren auf dem VW-Gesetz und überhaupt ihrem Einfluss. „Ohne die Arbeitnehmervertreter fällt bei Volkswagen heute keine Entscheidung – und wird es auch in Zukunft nicht“, gab sich VW-Betriebsrat Osterloh so selbstbewusst wie lange nicht. Kleinlaut klangen dagegen die Töne von seinem langjährigen Widerpart Uwe Hück, mit dem sich Osterloh über anderthalb Jahre eine Auseinandersetzung über die Mitbestimmungsregelung bei Porsche/VW geliefert hatte. „Ich kämpfe dafür, dass das VW-Gesetz auch bei Porsche gilt“, sagte Hück dem Sender „N24“. „Denn ich habe festgestellt, nur durch das VW-Gesetz kann ich meine Leute schützen, nicht mehr allein durch das Kapital“, äußerte sich Hück enttäuscht.

Mit dem „Kapital“ dürfte Wolfgang Porsche gemeint sein. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Porsche war bislang die wichtigste Stütze Wiedekings und hatte sich immer wieder vor ihn gestellt und einen Verkauf von Porsche an VW ausgeschlossen. Nun haben sich die Dinge geändert, und Hück setzt auf Kooperation mit Osterloh. „Wir werden gemeinsam einen Weg gehen.“ Der Porsche-Vorstand, mit dem er jahrelang blendend kooperierte, sei „zweitrangig“, sagte Hück.

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