Autokrise : "Chirurgischer Bankrott" bei GM geplant

Die US-Regierung drängt den Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) zur Vorbereitung eines Insolvenzplans. Der Autobauer soll zum 1. Juni für zahlungsunfähig erklärt werden, falls sich GM mit Anleihebesitzern und der Gewerkschaft UAW nicht auf milliardenschwere Konzessionen einigt.

Matthias Eberle (HB)

New York - Das berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf informierte Kreise. Ziel sei dann ein möglichst schneller „chirurgischer Bankrott“. Der Bericht ließ den Aktienkurs von GM am Montag um mehr als 16 Prozent abstürzen.

Der Zeitung zufolge könnte bereits innerhalb von sechs Wochen ein neues Unternehmen entstehen, das die guten Vermögensteile, etwa die wichtigste Automarke Chevrolet, direkt nach dem Insolvenzantrag aufkauft. Schlecht laufende Marken wie Hummer, überzählige Fabriken und milliardenschwere Verpflichtungen beim Personal sollen im alten Konzern verbleiben und in der Insolvenz über mehrere Jahre abgewickelt werden. Weder GM noch das US-Finanzministerium wollten sich zunächst zu den Plänen äußern.

Während Ex-Vorstandschef Rick Wagoner bis zuletzt die Auffassung vertrat, ein Konkursverfahren sei die schlechteste aller Lösungen, schließt sein Nachfolger Fritz Henderson einen Antrag nach Chapter 11 des US-Konkursrechts nicht mehr kategorisch aus. Laut „New York Times“ lässt er bereits Mitarbeiter zur Vorbereitung eines Insolvenzplans abstellen. Zahlreiche Experten vertreten seit Monaten die Auffassung, dass ein Insolvenzverfahren unausweichlich sei, um die zahlreichen Verstrickungen von GM aufzulösen und dem größten US-Autokonzern die Chance eines Neubeginns zu ermöglichen.

Die Regierung hatte Ende März auch den jüngsten Restrukturierungsplan von GM als unzureichend zurückgewiesen, dem Konzern eine Verlängerung der Schonfrist bis Ende Mai eingeräumt und Vorstandschef Wagoner zum Rücktritt gedrängt. Der über Jahrzehnte hinweg weltgrößte Autokonzern wird seit Monaten nur noch künstlich am Leben gehalten. Bisher hat GM 13,4 Milliarden Dollar (10,1 Milliarden Euro) an Staatshilfe bekommen und bereits neue Hilfen angefordert. Nach Informationen der „New York Times“ könnte eine Insolvenz des Autobauers mehr als 70 Milliarden Dollar an Staatsgeld verschlingen.

Inwiefern die deutsche Tochter Opel von einem GM-Konkurs betroffen wäre, ist noch unklar. Offizielle übten sich über Ostern in Gelassenheit: GM-Europa- Chef Carl-Peter Forster betonte, eine mögliche Insolvenz von GM sei keine Gefahr für Opel. „Unsere Produktion und den Verkauf von Autos in Europa würde es nicht betreffen“, sagte er. Der Eisenacher Opel-Betriebsratschef Harald Lieske sagte im MDR: „Opel gehört zum gesunden Teil des Unternehmens. Wir haben die rechtliche Auffassung, dass dieser sogenannte chirurgische Bankrott keine unmittelbaren Auswirkungen auf uns hat.“

Unterdessen tobt in Berlin der politische Streit um einen möglichen staatlichen Einstieg bei Opel. Der SPD zufolge kann die Union eine direkte Beteiligung des Staates nicht verweigern. So hatte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering gesagt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde es nicht durchhalten können, eine Staatsbeteiligung abzulehnen, wenn das die einzige Möglichkeit zur Rettung des Unternehmens sei. Dafür gehe es um zu viele Arbeitsplätze.

Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) lehnte dagegen eine direkte staatliche Beteiligung erneut ab. Für den Autobauer sei „wichtig, dass ein oder mehrere Investoren gefunden werden“, sagte er. Matthias Eberle (HB)

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