Autokrise : Gläubiger lassen GM fallen

Bei GM läuft alles auf die Insolvenz hinaus. Die Gläubiger haben das Umschuldungsangebot abgelehnt. Nun steht die Verstaatlichung des fast 100 Jahre alten Autobauers bevor, der Opel Patente und Werke überlässt und so den Weg zur Sanierung frei macht.

Henrik Mortsiefer
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BerlinDer Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) bereitet sich auf die unmittelbar bevorstehende Insolvenz vor. Der größte US-Autohersteller scheiterte am Mittwoch mit seinem Angebot an die Gläubiger zu einem milliardenschweren Schuldenverzicht. Als letzter Rettungsweg gilt nun ein Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz, das schon für die nächsten Tage erwartet wird. Ein solches Verfahren wäre das bei weitem komplizierteste und größte in der US-Geschichte.

GM-Aktien stürzten am Mittwoch zum Handelsauftakt an der US-Börse um mehr als 20 Prozent ab, erholten sich später aber wieder.

Am Vormittag hatte der GM-Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung der Übertragung aller europäischen Fabriken (siehe Grafik), Rechte und Patente von GM an Opel zugestimmt. Damit kann ein Investor, über den am Mittwochabend in Berlin beraten wurde, die Opel GmbH schuldenfrei übernehmen. Insbesondere die Übertragung der an die US-Regierung verpfändeten Patente galt als wichtige Voraussetzung für ein Überleben von Opel mit neuem Eigentümer.

Autoexperte Christoph Stürmer vom Forschungsinstitut Global Insight wertete den Aufsichtsratsbeschluss, der einer kostenlosen Abgabe von Kapital gleichkommt, als letzten Befreiungsschlag: „Das zeigt, dass GM und Washington daran interessiert sind, sich alle nicht-amerikanischen Probleme schnell und ohne Rücksicht auf Verluste vom Hals zu schaffen.“ GM soll nach der Sanierung als deutlich kleinerer Konzern neu starten. Die Vorbereitungen von GM und der US-Regierung für ein möglichst kurzes Insolvenzverfahren laufen seit Wochen auf Hochtouren. Am kommenden Montag läuft ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für einen tragfähigen Rettungsplan für GM ab. Spätestens dann wird die Insolvenz erwartet, die ähnlich wie bei Chrysler (siehe Kasten) im Eiltempo durchgezogen werden soll.

Der gut 100 Jahre alte Traditionskonzern, einst größter Autohersteller der Welt, soll laut US-Medien zu rund 70 Prozent vom Staat übernommen werden. Das ist weit mehr als die zuvor geplanten gut 50 Prozent. Die US-Regierung werde außerdem erneut Hilfen von rund 50 Milliarden Dollar (36 Milliarden Euro) in den Konzern pumpen – nach fast 20 Milliarden Dollar an bisherigen Krediten.

Bei seinen privaten Gläubigern steht GM mit rund 27 Milliarden Dollar in der Kreide. Der Konzern hatte ihnen im Tausch gegen ihre Anleihen zehn Prozent an einem neuen GM-Konzern angeboten. Doch dieses Angebot fiel durch. Weit weniger als die notwendigen 90 Prozent der Gläubiger hätten zugestimmt, teilte GM  in Detroit (Michigan) mit.

Die Autogewerkschaft UAW soll ihrerseits mehr Geld und im Gegenzug einen kleineren GM-Anteil als geplant bekommen. Die Beteiligung der UAW beträgt demnach künftig 17,5 Prozent plus einer Option zur Aufstockung auf 20 Prozent statt der bisher vorgesehenen 39 Prozent. GM baut dennoch mit der Beteiligung der UAW seine Schulden gegenüber dem UAW-Gesundheitsfonds für Betriebsrentner ab. Die knapp 60 000 UAW-Mitglieder sollen bis Donnerstag darüber abstimmen. Die Verpflichtung von GM gegenüber dem UAW-Fonds betragen rund 20 Milliarden Dollar. mit dpa

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