Autokrise : Opel-Belegschaft ist gegen Fiat

Mitarbeiter und Branchenexperten zweifeln, ob ein Einstieg der Italiener den deutschen Autobauer Opel retten würde.

Henrik Mortsiefer
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Rückendeckung oder Hinterhalt? Der mögliche Einstieg von Fiat bei Opel ist umstritten. Kritiker vermuten ein taktisches Manöver...

Berlin - Der mögliche Einstieg von Fiat bei Opel stößt im Aufsichtsrat und bei Branchenexperten auf große Skepsis. „Ich mache mir Sorgen um die Marke Opel, die Arbeitsplätze und die Wirtschaftspolitik in Deutschland“, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild am Donnerstag dem Tagesspiegel. Fiat sei der europäische Autohersteller mit den größten Überkapazitäten. „Die sollen bei Opel mit der Rückendeckung staatlicher Bürgschaften reduziert werden“, fürchtet Schild. Es sei mit einem massiven Stellenabbau an deutschen Opel-Standorten zu rechnen. Die Bundesregierung hat Opel Hilfe zugesagt, wenn die General- Motors-Tochter einen Investor findet.

Der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält den Vorstoß für ein taktisches Manöver von Fiat-Chef Sergio Marchionne: „Fiat hat Probleme beim Einstieg bei Chrysler. Der Opel-Deal soll in den USA Druck erzeugen“, sagte Dudenhöffer dieser Zeitung. Die Bundesregierung und die Länder mit Opel-Standorten sollten die bessere Alternative zur Rettung von Opel wählen und Anteile an dem Autobauer erwerben. Die US-Regierung hat Fiat und Chrysler eine Frist bis Ende April gesetzt, um eine Kooperation zu vereinbaren. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge könnte Chrysler schon kommende Woche Insolvenz anmelden. Das US-Finanzministerium bereite einen solchen Schritt vor, hieß es. Eine Allianz mit Fiat könne danach besiegelt werden.

Nach Absatzzahlen ist Fiat der sechstgrößte Autohersteller Europas. 2008 beschäftigte der Konzern weltweit 198 348 Mitarbeiter, setzte 59,4 Milliarden Euro um und machte einen Gewinn ohne Sonderposten von 3,4 Milliarden Euro. Zuletzt brachen Umsatz und Ergebnis aber wegen der Absatzkrise massiv ein. Der Fiat-Chef hatte jüngst erklärt, die Krise würden weltweit nur sechs Konzerne überstehen, die mehr als 5,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr bauen. Fiat verkaufte 2008 etwa 2,2 Millionen.

„Opel hat nicht viele mögliche Traumpartner zur Auswahl“, sagte Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, dem Tagesspiegel. „Fiat und Opel wären kein Dreamteam, aber das Bündnis hätte eine Perspektive: Opel hätte wieder eine Überlebenschance.“ Ohne eine Anpassung der Produktionskapazitäten und Produktprogramme werde es aber nicht gehen, glaubt Diez. Auf die Kooperation der Opel-Belegschaft darf Fiat dabei allerdings nicht hoffen. Sowohl der Betriebsrat als auch die IG Metall lehnten am Donnerstag eine Mitwirkung oder gar einen finanziellen Beitrag der Mitarbeiter ab.

Ernsthaftes Interesse an Opel wird auch einem Konsortium um den Autozulieferer Magna nachgesagt. Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf soll deswegen bereits beim GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster vorgesprochen haben. Experte Dudenhöffer hält das Interesse aber nicht für plausibel: „Warum sollte der Autozulieferer Magna einen Kunden kaufen und damit alle anderen Kunden verprellen?“

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