Autokrise : Opel bleibt auf der Prüfstrecke

Das Opel-Management erläutert sein Rettungskonzept im Bundestagsausschuss. Bundeskanzlerin Merkel lobt die engagierte USA-Reise von Wirtschaftsminister Guttenberg - auch wenn wenig Zählbares dabei herausgekommen ist.

Alfons Frese,Antje Sirleschtov
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Missklänge. Die Ergebnisse der Reise von Wirtschaftsminister Guttenberg wurden auch kritisch kommentiert. -Foto: dpa

Berlin - Die Arbeitnehmer werden sich an der Rettung von Opel mit rund 1,2 Milliarden Euro beteiligen müssen. Das sieht jedenfalls das Sanierungskonzept vor, dessen Grundzüge Opel-Management und Betriebsrat am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Bundestages vorstellten. Die Reise von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in die USA und die dortigen Treffen des Ministers mit der Spitze der Opel-Mutter General Motors (GM) sowie Regierungsvertretern wurden unterdessen unterschiedlich kommentiert. „Aus Sicht der Bundeskanzlerin war das eine sehr erfolgreiche und sehr wichtige Reise, die uns zusätzliche Klarheit gebracht hat“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Es gebe „die Möglichkeit gemeinsamen Handelns“ sowohl mit der US-Regierung als auch mit GM. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte zu Guttenbergs-Reise, es seien nur noch mehr Fragen aufgeworfen worden. Bei Opel selbst hieß es, der deutsche Wirtschaftsminister habe vom GM-Management genau das erfahren, was bereits vor rund zwei Wochen GM-Vize Fritz Henderson im Kanzleramt erläutert habe.

Das Wirtschaftsministerium gab am Mittwochabend bekannt, dass Roland Berger als Koordinator der Bundesregierung in Sachen Opel auftreten werde. Der 71- jährige Unternehmensberater solle die künftigen Gespräche zwischen Regierungsstellen und GM/Opel koordinieren.

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD, Ute Berg, sagte nach dem Besuch der Opel-Vertreter im Wirtschaftsausschuss, sie fühle sich bestätigt in der Auffassung, dass Opel für den Industriestandort Deutschland nicht verzichtbar sei und ein Zusammenbruch nicht hingenommen werden könne. „Wir müssen zu einem erfolgreichen Abschluss kommen“, sagte Berg, „und zwar rasch“.

Carl-Peter Forster, Chef von GM in Europa, hatte den Abgeordneten Grundzüge des Konzepts erläutert. Danach soll Opel gemeinsam mit der Schwestermarke Vauxhall 1,2 Milliarden Euro im Jahr sparen. Da dies vermutlich nicht über Werksschließungen zu machen sei, strebe das Unternehmen gemeinsam mit dem Betriebsrat eine deutliche Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich an. Vor rund 15 Jahren hatte VW mit der Einführung der Vier-Tage-Woche etwa 30 000 Arbeitsplätze sichern können.

Forster versicherte, dass Opel einen Zugriff auf Patente habe, obwohl die verpfändet seien. Kern des Überlebenskonzepts ist ein Investor, der einen Großteil der Anteil von GM übernehmen soll. Nach Angaben Forsters gibt es Gespräche mit mehreren Interessenten. Der US-Finanzinvestor KKR hat kein Interesse an einem Einstieg. „Ich halte ein Engagement für unwahrscheinlich“, sagte der Europa-Chef der Beteiligungsgesellschaft, Johannes Huth, am Mittwochabend in Frankfurt.

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