Autokrise : Opel hat Chancen

Experten sehen eine Zukunft für den Autohersteller Opel. Das Management wirbt um Staatshilfe - und schließt Werksverkäufe nicht aus.

H. Mortsiefer,R. Obertreis
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Schöne Vergangenheit. Ein "Kapitän" aus dem Jahr 1959. 50 Jahre später kämpft die Marke ums Überleben. -Foto: promo

Berlin/Frankfurt am MainOpel hat als rechtlich eigenständiger Autobauer nach Meinung von Branchenexperten Überlebenschancen. "Opel muss sauber herausgetrennt werden", sagte Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) in Bamberg am Freitag. "Es müssen rechtlich, organisatorisch, personell und finanziell klare Grenzen gezogen werden." Allerdings müssten eindeutig definierte Kooperationen zwischen Mutter und Tochter bestehen bleiben, zum Beispiel bei der gemeinsamen Nutzung von Plattformen. "Man kann nicht alle Verbindungen kappen. Dafür sind die Verflechtungen zu eng." Voraussetzung für eine Rettung von Opel sei die Beteiligung mehrerer Länder an dem Hersteller, sagte der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Die Bundesrepublik, die Länder und die Staaten, in denen Opel tätig ist, müssen Opel-Anteile kaufen. Kneifen gilt jetzt nicht", forderte Dudenhöffer. Auch freie Investoren wie die Opel-Händler seien willkommen. Der GM-Anteil müsse auf 30 bis 40 Prozent beschränkt sein. "Voraussetzung ist, dass alle mit dem Konzept einverstanden sind."

GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster zeigte sich am Freitag nach der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates optimistisch: "Das Opel-Geschäft in Europa hat Zukunft, unsere Produkte werden angenommen und wir haben viele neue Modelle in der Pipeline." GM soll nach dem Rettungskonzept mit einem Anteil zwischen 50 und 75 Prozent größter Aktionär bleiben. Man sei aber offen für neue Anteilseigner, betonte Forster. Wer bei Opel einsteigen soll, ist aber offen. "Partner aus der Autoindustrie werden sich diesem Thema noch nicht widmen können", sagte Forster mit Blick auf die Krise in der Branche. Eine Beteiligung eines "der öffentlichen Hand nahestehenden Unternehmens" könne eine Zwischenlösung sein, bis sich die Wirtschaftslage gebessert habe.

Auch andere europäische Länder wollen Opel unterstützen

Alle Unternehmensteile von Opel in Europa sollen unter dem Dach der Zentrale in Rüsselsheim zusammengeführt werden. Ein finanzieller Beitrag des maroden US-Mutterkonzerns ist in dem Konzept nicht vorgesehen. GM soll als Sacheinlage unter anderem Rechte und Patente einbringen, die bislang im Konzern zusammengefasst sind. Ob Opel gegenüber GM Außenstände hat, ließen Forster und Opel-Deutschland-Chef Hans Demant offen. Opel müsse aber Teil des weltweiten Konzernverbundes von GM bleiben, allerdings deutlich unabhängiger als bisher. Nur so habe das Unternehmen Zugang zu neuen Technologien und zu wichtigen Dienstleistungen. Das Konzept verhindert aber nach den Worten von Demant, dass Geld, das in die neu formierte Opel-Gesellschaft gepumpt wird, in die USA abfließt. Opel selbst betreibt Werke in mehreren europäischen Ländern wie Belgien, Großbritannien und Spanien und ist sehr eng mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall vernetzt. Nach Angaben von Forster braucht Opel europaweit 3,3 Milliarden Euro staatliche Hilfen oder Bürgschaften. Ein Großteil davon komme auf den Bund zu. Opel muss außerdem 1,2 Milliarden Euro einsparen. "In einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation" sollen auch "eventuelle Werksschließungen in Betracht gezogen werden", heißt es im Rettungskonzept. Ziel sei es dennoch, das Unternehmen mit "möglichst geringen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze zu restrukturieren". Betriebsbedingte Kündigungen sollen demnach soweit es geht vermieden werden. Über einen Sparbeitrag der Opel-Belegschaft wird seit Wochen mit den Arbeitnehmern verhandelt. "Wir setzen dabei auf flexible und freiwillige Lösungen", sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz.

Opel habe auch aus anderen europäischen Ländern positive Signale für eine Unterstützung der Hilfsmaßnahmen erhalten, sagte Forster. Am Montag will das Management das Konzept in Berlin mit Wirtschaftsminister Karl-Theodor von Guttenberg sowie den betroffenen Bundesländern erörtern. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, Opel prüfe den Verkauf seines Werkes in Eisenach. Als möglicher Käufer sei Daimler im Gespräch. Ein Sprecher des Thüringer Wirtschaftsministeriums sagte, nach derzeitiger Beurteilung räume das Land einer Opel-Gesamtlösung größere Chancen ein.

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