Autokrise : Staatsfonds am Golf prüfen Porsche-Einstieg

Sie scheuen das Rampenlicht und agieren gerne hinter den Kulissen. Jahrzehntelang galten die arabischen Staatsfonds am Golf als geheimnisumwitterte Megakassen, die ihre Öleinnahmen am liebsten in westlichen Staatspapieren anlegten und deren Besitzer sich ansonsten der Falkenjagd und schnellen Autos widmeten. Doch die Zeiten ändern sich.

Martin Gehlen

Seit Aabar Investment, einer der Staatsfonds aus Abu Dhabi, mit 1,95 Milliarden Dollar beim Stuttgarter Autokonzern Daimler einstieg und man bei Opel verzweifelt nach einem solventen Investor sucht, bekommen die arabischen Potentaten immer mehr medienwirksame Bittbesuche aus Europa. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hofierte den Vize-Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Hamdan bin Zayed al-Nahyan. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) brachte von seiner dreitägigen Tour in die Region die Nachricht nach Hause, Abu Dhabi sei an Investitionen „in allen Richtungen“ interessiert, besonders im Energiesektor und im Umweltbereich. Über einen Einstieg bei Porsche aber denke man konkret nach, ließen die Ölscheichs den deutschen Besucher wissen. Gleiches verkündete der Regierungschef des benachbarten gasreichen Emirats Qatar. Man prüfe „ernsthaft“ eine Beteiligung an Porsche, vertraute er in Interviews der heimischen Presse an.

Nach einer neuen Studie des amerikanischen Council on Foreign Relations verfügten die vier Staatsfonds von Kuwait, Abu Dhabi, Saudi-Arabien und Qatar vor der Wirtschaftskrise über ein Kapitel von insgesamt 1250 Milliarden Dollar. Andere Studien sprechen gar von 1500 Milliarden. Trotz dieser Summen verlief der Börsencrash für die Finanzmanager am Golf eher glimpflich, auf etwa 25 Prozent bilanzierten sich die Verluste, während die großen Aktienindizes bis zu 40 Prozent einbrachen.

Ein Schwergewicht unter den arabischen Staatsfonds ist die 1976 gegründete Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), mit einem vor der Krise geschätzten Kapital von 450 Milliarden Dollar. Das zugekaufte Portfolio der letzten fünf Jahre kann sich sehen lassen, auch wenn der Fonds und seine Filialen im Vergleich zum Vorjahr über 120 Milliarden Dollar verloren. Das Emirat beteiligte sich an der Citibank und an Barclays, an den renommierten Automarken Ferrari und Daimler, sowie am österreichischen Öl- und Gasriesen OMV. Im Oktober 2008 erwarb man rund 70 Prozent des deutschen Anlagenbauers MAN Ferrostaal.

Die Kuwait Investment Authority (KIA) gilt neben der Saudi Arabian Monetary Agency (SAMA) als der konservativste Anleger der Region. Mit einem Kapital von 230 Milliarden Dollar besitzt sie Anteile an British Petroleum und Vodafone. Bereits seit 1974 hält die KIA 7,1 Prozent von Daimler, hat sich aber nie in die Geschäfte der Stuttgarter eingemischt. SAMA zeichnet überwiegend Staatsanleihen und war daher mit 12 Prozent Verlust von den globalen wirtschaftlichen Turbulenzen am geringsten betroffen.

Auch wenn defensive und passive Anlageformen nach wie vor dominieren, in jüngster Zeit werden sie durch neue strategische Investitionen ergänzt. So wollen die Herrscher von Abu Dhabi ihre stark vom Öl abhängige Wirtschaft auf neue, zusätzliche Säulen stellen. Dazu soll der Daimler-Konzern am Golf ein Ausbildungs- und Entwicklungszentrum einrichten. Mit Masdar-City will das Emirat bis 2016 die erste klimafreundliche Stadt der Welt schaffen. Zudem planen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, ihre Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren durch gewaltige Infrastruktur-Programme anzukurbeln. Abu Dhabi will einen der größten Petrochemie-Komplexe der Welt bauen. Riad investiert 400 Milliarden Dollar in zwei neue Städte sowie einen riesigen Containerhäfen. Er könne sich vorstellen, verkündete jüngst der saudische Ölminister, „dass mein Land eines Tages Solarstrom statt Öl exportiert“.

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