Autokrise : Toyota schließt ein Werk – erstmals seit 72 Jahren

Der weltgrößte Autohersteller Toyota beendet die Produktion in Kalifornien. 4600 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Berlin - Irgendwann endet auch die schönste Erfolgsphase. Zum ersten Mal in seiner 72-jährigen Geschichte schließt Toyota eine Fabrik in den USA. Das Werk in der Nähe von San Francisco betrieb der weltgrößte Autohersteller gemeinsam mit General Motors seit 1984. Da der Automarkt in den USA eingebrochen ist, baut nun auch Toyota Kapazitäten ab. Mit der Schließung verlieren 4600 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Daneben erwägt der Konzern zumindest die befristete Abschaltung von Produktionslinien in Japan und Großbritannien.

Toyota war 2007 mit 9,7 Millionen Autos zum größten Hersteller aufgestiegen; die Profitabilität wurde nur von Porsche übertroffen. Inzwischen macht Toyota Milliardenverluste und die Produktion fällt in diesem Jahr vermutlich auf 7,2 Millionen Autos. Damit nähern sich die Japaner dem VW-Konzern, der rund sechs Millionen Autos im Jahr baut und sich zum Ziel gesetzt hat, spätestens 2018 Toyota an der Weltmarktspitze abzulösen.

Nach Einschätzung des Branchenkenners Helmut Becker vom Münchener Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation könnte das sogar schon 2011 passieren. Für Becker, der ein Buch geschrieben hat über den Aufstieg Toyotas, ist der japanische Konzern „noch immer ein exzellent geführtes Unternehmen“. Doch die starke Orientierung auf den US-Markt, wo Toyota fast ein Drittel seiner Fahrzeuge absetzt, werde nun zum Problem. Im Schnitt kauften die Amerikaner in den vergangenen Jahren um die 17 Millionen Neuwagen pro Jahr, dieses Volumen sinkt voraussichtlich für einen längeren Zeitraum auf zwölf oder 13 Millionen. Entsprechend groß sind die Verluste für Toyota. In den guten Jahren verkaufte Toyota rund 2,5 Millionen Autos in den USA. Das ist Geschichte. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres fiel der Absatz um 34 Prozent auf 945 000. VW dagegen profitierte davon, bislang keine Produktion in den USA zu haben. Doch mit dem Werk in Tennessee, das Volkswagen 2011 in Betrieb nimmt, würden die Wolfsburger mit kleinen Autos „den Markt aufrollen“, glaubt Becker. „Dann schafft VW 6,6 Millionen Autos und überholt Toyota.“

In der Produktion selbst, „bei der Frage, wie man ein Auto baut, gibt es nichts besseres als Toyota“, sagte Becker dem Tagesspiegel. Doch wie die drei US-Hersteller auch habe Toyota zu viele Spritfresser im Angebot. Auch das Marketing lasse zu wünschen übrig. Es sei beispielsweise ein Fehler gewesen, in Europa die bewährte Marke Corolla durch Auris zu ersetzen, meint Becker. alf

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