Autokrise : Warum eine Insolvenz Opel nicht retten würde

In der Theorie klingt es perfekt: Mit dem Gang ins Insolvenzverfahren könnte Opel die Finanzbeziehungen zum angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors kappen. Doch solange die Lizenzen in Amerika liegen, dürfte Opel vermutlich keine Opel-Fahrzeuge mehr herstellen. GM plant offenbar schon ohne die deutsche Tochter.

Moritz Döbler

Berlin - In der Theorie klingt es perfekt: Mit dem Gang ins Insolvenzverfahren könnte Opel die Finanzbeziehungen zum angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors kappen. Weder müssten Gewinne abgeführt werden, noch Verluste aus Detroit übernommen werden. Doch der Vorschlag, der auf Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zurückgeht, hat einige Haken: Solange die Lizenzen in Amerika liegen, dürfte Opel vermutlich keine Opel-Fahrzeuge mehr herstellen. Lieferanten und Kunden dürfte der Gang in die Insolvenz erschrecken. Das erklärt die Vorsicht bei GM Europe: „Dieses Szenario steht im Moment nicht auf der Tagesordnung“, sagte ein Sprecher am Sonntag.

Der Vorschlag zielt wohl vor allem darauf, dass ein Insolvenzverwalter die Opel-Werke verkaufen könnte. Doch das wäre nicht so einfach. Das Komponentenwerk Kaiserslautern wollte Opel schon länger verkaufen, fand aber keinen Abnehmer. Und Daimler hat ein Interesse am Eisenacher Werk längst dementiert.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, der an der Universität Duisburg-Essen lehrt, sieht keine möglichen Abnehmer. „Das kauft Ihnen niemand ab. Man würde ja die Sozialleistungen der festangestellten Mitarbeiter gleich mit kaufen müssen, und das ist unbezahlbar“, sagte er dem Tagesspiegel. Denkbar sei allenfalls, dass ein Hersteller ein Werk kaufe, um es außerhalb Deutschlands an einem billigeren Standort wieder aufzubauen. Die modernen Anlagen in Rüsselsheim und mit Abstrichen in Eisenach seien dabei viel attraktiver als die in Bochum und Kaiserslautern. Nur würden die betroffenen Opel-Beschäftigten dann direkt und wohl zum Großteil dauerhaft arbeitslos – zu strukturschwach sind die Standorte der Opel-Werke.

Dudenhöffer plädiert daher dafür, Opel in eine eigene Aktiengesellschaft zu überführen und den Staat zu beteiligen. Neben Deutschland sollten auch die anderen Staaten mit Opel-Werken – Großbritannien, Polen, Spanien, Belgien, Österreich – Anteile erwerben. Insgesamt seien vier bis fünf Milliarden staatlicher Hilfe nötig, die in zehn bis 20 Jahren wieder zurückgezahlt werden könne. Opel sei durchaus überlebensfähig. Die Bundesregierung wolle das Unternehmen aber nicht mit Staatshilfe retten. „Bundeskanzlerin Angela Merkel plant die Beerdigung von Opel, und das macht sie mit großer Akribie.“

Rund sechs Monate vor der Bundestagswahl spaltet das Thema Opel zunehmend die Koalition. „Wer das Unternehmen einfach aufgeben will, handelt unverantwortlich“, sagte SPD-Chef Franz Müntefering bei einem Landesparteitag in Thüringen. Die Debatte um eine Insolvenz sei „eine ganz gefährliche Linie“. Es sei auch falsch, Opel nicht als systemrelevantes Unternehmen zu betrachten. „Die Arbeitsplätze und das, was dahinter steht an Zulieferern, werden wir nie so schnell wieder aufarbeiten können“, sagte Müntefering. Die Industrie sei entscheidend für den Wohlstand der Gesellschaft.

GM sieht Opel offenbar nicht als so entscheidend an. Der amerikanische Autokonzern scheint nach Erkenntnissen der Zeitschrift „Automobilwoche“ seine Zukunft bereits ohne die deutsche Tochter Opel zu planen. Das Internationale Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim habe nach den Neuentwicklungen des künftigen Meriva und des neuen Zafira keinen weiteren Großauftrag mehr, berichtet die Branchenzeitung. Demnach könnte der übernächste Astra statt in Rüsselsheim bei der GM-Tochter Chevrolet/Daewoo in Südkorea entwickelt werden. Opel-Chef Hans Demant wolle nun Aufträge von Entwicklungsdienstleistern zurück nach Rüsselsheim holen.

Doch auch bei den Händlern schwindet die Hoffnung auf Rettung. So stehe der größte Opel-Händler AVAG bereits in Gesprächen mit Ford, berichtet das Blatt. Moritz Döbler

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