Wirtschaft : Automarkt: Das Auto und die Politik (Kommentar)

Alfons Frese

Irgendwann ist Schluss. Die Garagen sind voll: Zweitwagen und Stadtauto, Freizeitmobil und Feiertagskarosse stehen bereit. Die Nachfrage ist gesättigt, sozusagen. Ganz so sind die Verhältnisse in der automobilen deutschen Gesellschaft zwar noch nicht. Doch der schwache Automarkt ist ein Reflex auf die Rekorde der vergangenen Jahre. Im ersten Halbjahr wurden hier zu Lande elf Prozent weniger Pkw zugelassen als im Vorjahreszeitraum, und im Juni 2000 kauften die Deutschen sogar ein Fünftel weniger Autos als im Juni 1999. Das ist kein Anlass zur Aufregung, sondern eine normale Entwicklung, nachdem sich Millionen Autofahrer in den vergangenen Jahren neu ausgerüstet haben und immer mehr Gebrauchte auf der Halde stehen. Ökosteuer und Spritpreis, wie vom Autoverband als Ursachen für die Kaufzurückhaltung ausgemacht, spielen nur eine geringe Rolle. Denn die "Freude am Fahren" ist bei den Deutschen so ausgeprägt, dass auch teures Benzin die Leute nicht in Busse und Bahnen treibt.

Dass VW und BMW, Daimler-Chrysler und Porsche keine roten Zahlen schreiben, liegt am Erfolg der Schlüsselbranche in aller Welt. Allein die US-Amerikaner kauften im ersten Halbjahr 15 Prozent mehr "deutsche" Autos als vor einem Jahr. Und in der Welt liegt denn auch künftig das Wachstum. Deshalb setzt Daimler-Chrysler auf Allianzen in Asien und baut VW das Engagement in China und Südamerika aus - auch mit einem ehemaligen Bundeskanzler. Der Österreicher Viktor Klima soll künftig in Argentinien den VW-Absatz ankurbeln. In der Heimat kümmert sich weiterhin Gerhard Schröder um das Wohlbefinden der Branche: Im Herbst ist in Berlin ein Autogipfel geplant.

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