Wirtschaft : Automarkt kommt erst 2006 in Schwung

2004 das schwächste Jahr seit der Wiedervereinigung/Unverändert hohe Rabatte

Alfons Frese

Berlin - In der Bundesrepublik werden in diesem Jahr so wenig Autos gekauft wie zuletzt vor der Wiedervereinigung. Nach einer Erhebung des Leverkusener Instituts B&D-Forecast sinken in diesem Jahr die Neuzulassungen um 1,9 Prozent auf 3,17 Millionen Pkw. Und der Markt bleibt vorerst schwach. „Erst 2006 ist in Deutschland wieder mit höheren Autokäufen zu rechnen“, heißt es in der Herbstprognose des Instituts. B&D-Chef Ferdinand Dudenhöffer zufolge werden die unverändert hohen Rabatte die Kaufzurückhaltung in den nächsten Monaten nicht auflösen. Selbst Preisabschläge von bis zu 18 Prozent vom offiziellen Listenpreis beim VW Golf „schaffen es nicht, den großen Durchbruch im Markt einzuleiten“, schreibt Dudenhöffer. Deshalb bleibe 2005 trotz vieler neuer Autos ein „Übergangsjahr“. Die Schlussfolgerung des Autoexperten: „Je weiter wir in die Zukunft schauen, umso besser werden die Aussichten für Deutschland.“

Als Ursache für die nunmehr seit fünf Jahren sinkende Nachfrage nennt Dudenhöffer eine „generelle Verbraucherverunsicherung“. Der Verband der Autoindustrie erklärt den schwachen Markt mit der „anhaltend hohen Arbeitslosigkeit sowie der fortwährenden Diskussion über neue finanzielle Belastungen im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktreform“. Die Rückgänge im Inland kompensiert immerhin das Ausland. So exportierten die deutschen Hersteller in den ersten acht Monaten sechs Prozent mehr Autos als im Vorjahreszeitraum.

Weltweit erwartet Dudenhöffer für 2005/06 „zwei klare Wachstumsjahre“. Vor allem Japan, China und Ost-Europa blieben „wichtige Schrittmacher des Autogeschäfts“. Mit rund 17 Millionen Verkäufen werde der US-Markt auf hohem Niveau bleiben. Zum Vergleich: Den Absatz in China veranschlagt Dudenhöffer im nächsten Jahr bei rund 2,9 Millionen Pkw; vor zwei Jahres waren es erst 1,3 Millionen gewesen.

Über die deutschen Hersteller äußert er sich differenziert. „Die hohe Kostenstruktur“ in den sechs westdeutschen Werken würden bei VW „ein deutliches Ertragsproblem verursachen“. General Motors/Opel sei „in einer schwierigen Situation“ wegen großer Überkapazitäten in der Mittelklasse (Opel Vectra, Saab 9-3/9-5). Mercedes-Benz, Audi und BMW beleben im nächsten Jahr mit Autos den Markt, die es bislang noch nicht gab. Dagegen kämpfen vor allem VW, GM, Fiat und die Ford Premium Automotive Group (Volvo, Jaguar, Land Rover, Austin Martin) mit Überkapazitäten, während Toyota seine Kapazität in Europa um 100000 Fahrzeuge erhöht. Doch „den größten Sprung macht in den nächsten Jahren die PSA“, mit den Marken Peugeot und Citroën. 2006 werde PSA vier Millionen Autos verkaufen – 21 Prozent mehr als 2003. Ein Großteil der zusätzlichen Pkw komme dabei aus den Werken in Tschechien und der Slowakei.

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