Automatengebühren : „Ein fauler Kompromiss“

Nur die privaten Banken senken die Automatengebühren für Fremdkunden. Allgemeine Höchstgrenzen wird es aber nicht geben.

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Berlin - Monatelang hatten Sparkassen und private Banken um eine Obergrenze bei den Gebühren für das Abheben an fremden Geldautomaten gestritten. Jetzt haben sie sich geeinigt: Es wird keine allgemeine Höchstgrenze geben. Dafür sollen die Kunden ab dem 15. Januar an jedem Automaten sehen können, wie viel sie das Abheben bei einem fremden Institut kostet. Nach dieser Information kann die Abhebung kostenfrei abgebrochen werden. Nur der Verband der privaten Banken kündigte an, dass seine Mitglieder den Kunden der Konkurrenz künftig höchstens 1,95 Euro berechnen wollen. Untereinander verlangen die Institute keine Gebühren mehr.

WARUM FREMDGEHEN SO TEUER IST

Bislang werden die Automatengebühren nicht von der Bank berechnet, bei der das Geld abgehoben wird, sondern von der Hausbank. Was die für das Fremdgehen abzieht, erfährt der Kunde erst auf dem Kontoauszug. Die Banken wiederum stellen sich den Service gegenseitig in Rechnung. „Interbankenentgelt“ heißt das. Weil die Institute einander in den vergangenen Jahren immer höhere Preise abverlangten, stiegen auch die Gebühren für die Kunden immer weiter. Im Schnitt müssen sie heute fast sechs Euro für das Fremdabheben zahlen, in Einzelfällen sind es fast 20 Euro.

WER DIE MEISTEN AUTOMATEN HAT

Mit rund 25 700 Geldautomaten haben die Sparkassen das dichteste Netz in Deutschland. Die Genossenschaftsbanken haben bundesweit 18 600 Automaten aufgestellt. Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Postbank haben zusammen über 7000 Geldautomaten. Die Direktbanken haben oft gar keine eigenen Automaten und ködern ihre Kunden damit, dass sie überall umsonst abheben können. Vor allem die Sparkassen kritisieren diese Praxis seit langem – und wehren sich durch hohe Interbankenentgelte. Die tatsächlichen Kosten, die eine Bank hat, wenn sie Geld an Fremdkunden ausgibt, belaufen sich nach Angaben von Experten aber nur auf rund 60 Cent.

VERBRAUCHERSCHÜTZER MIT SKEPSIS

Die Verbraucherschützer nannten die Einigung am Mittwoch einen „faulen Kompromiss“. Zwar würden die Gebühren für die Kunden jetzt transparenter werden. Aber „Transparenz ist das eine, Willkür in der Preisgestaltung das andere“, sagte Manfred Westphal, Abteilungsleiter beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Die Mitteilung des Zentralen Kreditausschusses, wonach sich die deutsche Kreditwirtschaft auf eine kundenfreundliche Lösung geeinigt habe, nannte er „frech“. Zwar begrüße der VZBV die Ankündigung der privaten Banken, die Gebühren deckeln zu wollen. „Die Höhe von 1,95 Euro zeigt, dass Banken auch mit einer solchen Obergrenze noch immer gut leben können“, sagte Westphal. An über 80 Prozent aller Geldautomaten blieben die Verbraucher aber der Gefahr grenzenlos überzogener Preise ausgesetzt.

DAS KARTELLAMT PRÜFT NOCH

„Wettbewerb und damit Wahlfreiheit, die von den Banken ins Feld geführt werden, gibt es nur an wenigen Orten“, so Westphal. Schließlich habe der Kunde oft keine andere Wahl, als einen fremden Automaten zu nutzen. Aus diesem Grund machen nicht nur Politiker und Verbraucherschützer, sondern auch das Kartellamt seit Monaten Druck auf die Branche. Denn echte Preisbildung gibt es bei den Gebühren nicht. Die Verbünde von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und der großen privaten Banken haben untereinander vereinbart, dass sie ihren jeweiligen Kunden für Abhebungen gar nichts berechnen. Der Zentrale Kreditausschuss hatte dem Kartellamt eine Höchstgrenze von fünf Euro vorgeschlagen. Doch die Behörde lehnte den Vorschlag mit der Begründung ab, die Summe sei zu hoch. Auch die neue Einigung muss noch vom Kartellamt abgesegnet werden, sonst laufen die Banken Gefahr, dass die Behörde ihre Automatenverbünde infrage stellt. „Wir begrüßen die Umstellung auf ein direktes Kundenentgelt ausdrücklich, denn es sorgt für mehr Transparenz auf dem Markt“, sagte ein Kartellamtssprecher am Mittwoch. Er bezweifelte allerdings, dass es durch diese Maßnahme zu einem „echten Wettbewerb unter den Banken um die Fremdkunden kommen wird“. Die Ankündigung der privaten Banken bewertete der Sprecher als „Schritt in die richtige Richtung“. Die Behörde werde jetzt prüfen.

POLITIKER DROHEN MIT GESETZ

Regierungspolitiker ermahnten die Banken am Mittwoch erneut, die Preise zu senken. „Leider ist das Problem der zum Teil völlig überzogenen Gebühren beim Fremdabheben nach wie vor ungelöst“, sagte ein Sprecher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Geldautomaten dürften nicht länger Kostenfallen sein. Die Verbraucher hätten Anspruch auf eine rasche Lösung. „Wir erwarten von allen Banken, dass sie auch den Fremdkunden ein angemessenes und transparentes Preismodell anbieten. Abhebegebühren von zum Teil 20 Euro sind nicht akzeptabel“, sagte der Sprecher. Erik Schweickert, verbraucherpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, sagte: „Wir werden jetzt genau hinschauen, welche Konsequenzen die Einigung für die Verbraucher hat.“ Insbesondere Menschen in den ländlichen Regionen fehlten häufig die Alternativen, weil nur wenige Banken dort Automaten aufstellten. Schweickert drohte, das Problem notfalls mit einem Gesetz lösen zu wollen: „Gehen die Kundenentgelte nicht wie versprochen runter, muss der federführend zuständige Bundesfinanzminister mit einer gesetzlichen Regelung den gordischen Knoten zerschlagen und für eine verbraucherfreundliche Regelung sorgen.“

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