Wirtschaft : Automobil-Branche: Daimler-Chrysler-Chefs geben sich optimistisch

Daimler-Chrysler hat im vergangenen Jahr weniger Autos verkauft aber dennoch den Umsatz erhöht. Konzernchef Jürgen Schrempp sagte in Detroit, er sei sicher, dass die angeschlagene Chrysler Group saniert werden könne. Im vergangenen Quartal hat Chrysler rund 1,4 Milliarden Euro (2,7 Milliarden Mark) Verlust gemacht und wird für das gesamte Jahr 2000 nur noch rund 500 Millionen Euro Gewinn abliefern - im Jahr zuvor waren es noch 5,2 Milliarden Euro.

2001 werde ein schwieriges Jahr, räumte Schrempp ein, zeigte sich aber hinsichtlich Chrysler optimistisch. Es gebe "keinen Zweifel", dass die Konzerntochter wieder die alte Profitabilität erreiche. "Und wir werden nicht ruhen, bis es geschafft ist." Einzelheiten zum Umstrukturierungsplan für die US-Pkw-Sparte wollte er nicht nennen. Das neue Management-Team sei noch mitten in der Ausarbeitung des Plans, der am 26. Februar veröffentlicht werden solle. Der Daimler-Chrysler-Chef wiederholte, dass die Strategie des Konzerns richtig sei. Im vergangenen Jahr erhöhte Daimler-Chrysler den Umsatz um sechs Prozent auf rund 160 Milliarden Euro (313 Milliarden Mark). Der Absatz ging im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 4,7 Millionen Autos zurück. Die Erlöse des Geschäftsfelds Mercedes-Benz/Smart kletterten um mehr als 13 Prozent auf einen Rekordumsatz von 43 Milliarden Euro, die Chrysler Group konnte auf Grund des starken US-Dollar noch ein Plus von sechs Prozent auf 68 Milliarden Euro verbuchen. Zahlen zum Ergebnis wurden nicht mitgeteilt. Bei der Daimler-Chrysler-Services AG (Debis) stieg der Umsatz um mehr als 30 Prozent auf 17 Milliarden Euro. Einschließlich der Debis erzielt der Konzern inzwischen rund 90 Prozent des Umsatzes im Geschäft mit dem Automobil. Das Bahntechnik-Unternehmen Adtranz steigerte den Umsatz um acht Prozent auf 3,8 Milliaren Euro. Mit der Übernahme von Adtranz durch Bombardier rechnet Daimler-Chrysler noch im ersten Quartal.

Bei Chrysler steht der Konzern vor drastischen Einschnitten. "Das Absatzvolumen geht deutlich zurück", sagte Chrysler-Chef Dieter Zetsche dem Handelsblatt. Die vorhandenen Produktionskapazitäten seien für ein viel größeres Volumen und für bessere Preise geschaffen worden, als sie derzeit am Markt zu erzielen seien. Jetzt will Zetsche gegenüber den wichtigsten Konkurrenten General Motors und Ford zumindest nicht ins Hintertreffen geraten und in den nächsten zwölf Monaten den bisherigen Marktanteil von 16 Prozent halten. "Das können wir", meinte Zetsche. Bei einem Marktvolumen von voraussichtlich 16 Millionen Fahrzeugen bedeutet das wahrscheinlich eine Zahl von 2,6 Millionen produzierten Chrysler-Automobilen. 2000 waren es noch drei Millionen, 1999 etwa 3,3 Millionen.

Dementsprechend wird es im Produktionsbereich massive Kürzungen geben. "Wir schauen uns alles an", sagte Wolfgang Bernhard, der Chrysler-Fertigungschef. Bernhard klagte über die Wechselkurs-Vorteile für europäische und japanische Hersteller. Das Unternehmen werde seine Einsparziele dennoch erreichen - trotz der amerikanischen Auto-Gewerkschaft UAW. "Wir werden Wege zu einer Einigung finden", sagte Bernhard. Der Tarifvertrag mit den US-Gewerkschaften schützt vor Kündigungen über die gesamte Restlaufzeit von drei Jahren. Doch es gebe innerhalb der Verträge genügend Flexibilität, meint Zetsche. "Wir setzen die Gewerkschaften in volle Kenntnis unserer Situation. Bisher seien die Verhandlungen gut verlaufen, Ergebnisse lägen jedoch noch nicht vor. Vehement widerspricht Zetsche Vermutungen, Chrysler werde sich aus dem Pkw-Segment zurückziehen und wolle sich ausschließlich auf Großraumlimousinen (Minivans) und Geländewagen konzentrieren. "Wir müssen aggressiv sein", forderte Zetsche, "und wir müssen zum Ziel haben, dass wir - in welchem Segment auch immer - das Gleiche leisten wie unsere Wettbewerber".

So lange er darüber zu entscheiden habe, werde es innerhalb des Chrysler-Produktprogramms auch Pkw geben. Konzernchef Jürgen Schrempp wies ebenso Vermutungen zurück, Daimler-Chrysler werde seine US-Sparte wieder verkaufen. "Chrysler ist ein essenzieller Teil des Unternehmens", sagt er. Chrysler soll sich innerhalb des Konzerns allerdings stärker auf andere Fahrzeugmarken verlassen. Von Mercedes-Benz will Zetsche Neuentwicklungen nutzen. Weiter soll die Zusammenarbeit mit Mitsubishi Motors reichen, an dem Daimler-Chrysler 34 Prozent hält. Zetsche sieht es als möglich an, dass beide Seiten komplette Fahrzeug-Architekturen austauschen und Plattformen gemeinsam nutzten.

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