Wirtschaft : Automobil-Branche: Zulieferer trotzen schlechter Autokonjunktur

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Die sich abkühlende Konjunktur in Nordamerika wird für die deutschen Autokonzerne Folgen haben, darin sind sich viele Marktbeobachter einig. Auch die Werte von Autozulieferern verloren in den letzten Monaten beträchtlich an Wert. In den Strudel wurden aber auch Aktien gezogen, die nach Meinung von Experten eine glänzende Perspektive haben: So etwa der Automobilzulieferer Edscha.

Er hat sich durch die Besinnung auf das Nieschengeschäft von den Branchenzyklen in der Automobilindustrie abgekoppelt: Praktisch alle großen Fahrzeughersteller kaufen beim Remscheider Unternehmen ein, das sein Hauptgeschäft mit Scharniersystemen für Autotüren macht. Damit ist das Zulieferunternehmen in Europa mit 75 Prozent Marktanteil einsame Spitze. Das belegen auch die letzten Zahlen. Im Geschäftsjahr 1999/2000 (30. Juni) schaffte Edscha einen 20-prozentigen Umsatzschub gegenüber dem Vorjahr auf rund 600 Millionen Euro und eine Steigerung des Konzernergebnisses um 54 Prozent. Weiteres Wachstum kündigt sich im laufenden Geschäftsjahr an. Ein zusätzliche Standbein des Systemanbieters sind Cabriodächer, die rund ein Fünftel des Geschäftes ausmachen. Nachdem Edscha durch eine Akquisition erfolgreich in Nordamerika Fuß fassen konnte, bemühen sich die Remscheider nun auch um den asiatischen Markt.

Seit Ende April 1999 notiert Edscha im Smax-Segment und gehört damit zu den 50 größten Werten im S-Dax, der sich im vergangenen Jahr durch seine Solidität ausgezeichnet hat. Auch Edscha hat dazu ein gutes Stück beigetragen, pendelte der Wert in den letzten neun Monaten zwischen 13 und 17 Euro. Nach einer kurzen Abwärtsbewegung im November rechnen die Analysten jedoch wieder mit steigenden Kursen.

Georg Stürzer von der HypoVereinsbank hält die ehrgeizigen Ziele der Remscheider für realisierbar: Die wollen einen überproportionalen Ergebnisanstieg und ein Umsatzwachstum auf 700 Millionen Euro erreichen. Deswegen hat die Hypovereinsbank das Kursziel bei 20 Euro festgelegt. Auch die Investmentbank Merrill Lynch empfiehlt, das Depot mit Edscha-Papieren aufzustocken.

Gute Aussichten bescheinigen die Analysten auch der bayerischen WET Automotive Systems. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Autositzheizungen. Trotz guter Ergebnisse - im laufenden Geschäftsjahr soll der Überschuss um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr anwachsen - konnten sich die Anleger nicht für den Zulieferer erwärmen: Der Aktienkurs des am Neuen Markt notierten Unternehmens ist seit Anfang 2000 in einem Abwärtskanal gefangen und notiert derzeit bei rund 26 Euro. Maßgeblich für den Kursverfall verantwortlich ist das Geschäft in Nordamerika. Da WET einen Großteil des Umsatzes in den USA erwirtschaftet, hat die schlechte Autokonjunktur dort Befürchtungen bei den Anlegern geweckt, die auf den Ausrüster zurückschlagen. Für Jürger Pieper, Analyst beim Frankfurter Bankhaus Metzler, besteht jedoch kein Grund zur Panik. "Was das US-Geschäft betrifft, ist bei deutschen Herstellern keine Schwäche zu sehen." Das gelte auch bei Luxusautos, die in den Staaten nach wie vor sehr beliebt sind und vorwiegend von WET ausrüstet werden. Pieper glaubt an ein Comeback des WET-Papiers und empfiehlt deswegen zum Kauf. Das langfristige Kursziel liege bei 52 Euro, in den nächsten sechs Monaten sieht Pieper die Aktie bei rund 40 Euro.

Ein enormes Wachstumspotenzial bescheinigen die Analysten vom Bankhaus Metzler der CAA AG. Obwohl das Unternehmen aus dem schwäbischen Filderstadt nicht als klassischer Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie angesehen werden kann, hängt sie doch direkt von dieser ab. CAA entwickelt PC-Systeme für das Auto, denn dieses hat sich zu einem elektronischen Kleinod entwickelt: elektrische Bedienteile für Fenster, Schiebedach, Klimaanlage, das Radio, Telefon, Navigationssystem. Neue Zusatzdienste wie E-Mail, Internet oder TV werden hinzu kommen. Damit die vielen Funktionen in der rollenden Informationszentrale dem Fahrer nicht über den Kopf wachsen, hat CAA eine Software entwickelt, die die unterschiedlichen Informations- und Kommunikationssysteme im Fahrzeug bündelt. Die Bedienung wird sogar sprachgesteuert möglich.

Seit dem Gang an den Neuen Markt im Juli 2000 hat die Aktie enorme Kursbewegungen hinter sich, empfahlen doch einige Analysten den Wert als spekulativen Kauf. Derzeit liegt der Kurs bei rund 30 Euro. Zu niedrig, glauben die Analysten vom Bankhaus Metzler. Sie sehen sie bei 46 Euro fair bewertet. Zwar macht CAA bislang Verluste, doch mit dreistelligen Zuwachsraten beim Umsatz will CAA die Gewinnzone 2002 erreichen. Auch die Analysten der Landesbank Baden Württemberg haben die Aktien zum "Kauf" empfohlen. Wegen der außerordentlich positiven Entwicklung in den ersten neun Monaten, rechnen die Experten damit, dass die Planzahlen für das Gesamtjahr übertroffen werden.

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