Wirtschaft : Automobilbranche: Pischetsrieder startet im schwachen Markt

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Die weltweit schwache Autokonjunktur erschwert dem neuen VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder den Start. Der Absatz des Wolfsburger Konzerns brach im ersten Quartal 2002 um 6,8 Prozent ein. In Westeuropa verlor VW im März mit 13,6 Prozent fast doppelt so stark wie der Markt mit 7,4 Prozent. Pischetsrieder zeigte sich am Dienstag auf der Hauptversammlung trotz der Absatzschwäche für das Gesamtjahr optimistisch.

Der ehemalige BMW-Vorstandsvorsitzende würdigte seinen Vorgänger an der VW-Spitze, Ferdinand Piëch. Dieser habe das Unternehmen seit 1993 "aus einer Existenzkrise zu dem Rekordergebnis des Jahres 2001 geführt". Die knapp 3300 Aktionäre, Aufsichtsratsmitglieder und Vorstandskollegen erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten Piëch. Der neue Vorstandsvorsitzende Pischetsrieder präsentierte sich den Aktionären trotz schlechter Absatzzahlen zuversichtlich und wies auf die Einführung mehrerer neuer Modelle und die gute Positionierung des Unternehmens hin. "Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir für die nächsten Monate und die Zukunft gut vorbereitet sind", sagte Pischetsrieder. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren nicht nur über Volumensteigerung seine Erträge erhöht, sondern auch über deutlich reduzierte Kosten. Er kündigte an, dass bis 2006 der Absatz jährlich um drei bis vier Prozent zunehmen solle. Damit würden dann nahezu sechs Millionen Autos im Jahr verkauft; 2001 setzte VW weltweit gut fünf Millionen Fahrzeuge ab. Der Umsatz soll bis 2006 jährlich um fünf bis sechs Prozent wachsen.

Pischetsrieder bekräftigte seine bei der Bilanzpressekonferenz im März gemachte Prognose, wonach der Rekordgewinn von 2001 im laufenden Jahr trotz der Absatzschwäche mindestens wiederholt werde. Erneutes Wachstum in Westeuropa und den USA erwarte er aber "erst in der zweiten Jahreshälfte". Von der Flaute in den ersten drei Monaten war die Markengruppe mit VW, Skoda und Bentley bei einem Minus von neun Prozent auf 817 000 Autos besonders stark betroffen; VW-Nutzfahrzeuge verloren bei einem Absatz von 67 000 Fahrzeugen gegenüber dem Vorjahreszeitraum 8,8 Prozent. Dagegen lieferte die Gruppe mit Audi, Seat und Lamborghini mit 296 000 Fahrzeugen 0,3 Prozent mehr aus.

Piëch zog auf der Hauptversammlung eine positive Bilanz seiner Amtszeit. "1993 war es um den Konzern nicht gut bestellt", sagte Piëch. Der Nachfragerückgang in Europa, eine schwere Krise bei der spanischen Tochter Seat und eine überalterte Modellpalette hätten VW "in eine ernste Krise mit tiefroten Zahlen" gestürzt. Alle wesentlichen Kennzahlen des Konzerns hätten sich seitdem bis zum Rekordergebnis 2001 verbessert. Piëch forderte die Aktionäre auf, "den von mir hoch geschätzten Dr. Pischetsrieder in seinem Handeln zum Wohle unseres Unternehmens voll zu unterstützen".

Auf der Hauptversammlung war Piëch in den Aufsichtsrat gewählt worden. In einer anschließenden Aufsichtsratssitzung wurde er dann einstimmig zum Vorsitzenden des Gremiums berufen. In dieser Funktion löst er den langjährigen Vorsitzenden Klaus Liesen ab, der in die zweite Reihe rückt. Zum Stellvertreter von Piëch wurde IG-Metall-Chef Klaus Zwickel berufen. Neben Piëch rückt auch der frühere britische Handelsminister Lord David Simon of Highbury in den Aufsichtsrat. Die Mandate des Preussag-Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel und des Präsidenten der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Roland Oetker, wurden bis 2007 verlängert.

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