Wirtschaft : Automobilbranche: Vom Reiz des Autohandels

Zunächst die schlechte Nachricht: Es wird immer schwieriger eine Autowerkstatt in der Nachbarschaft zu finden. Die gute Nachricht: Nicht die kleinen, an keinen Markenhersteller gebundenen Firmen, verschwinden vom Markt, sondern Opel-, Fiat- oder Volkswagen-Betriebe. Begründung: Die Vertriebskosten sind zu hoch, sagen jedenfalls die Autokonzerne und reduzieren radikal ihre Netze.

Doch das sind alles nur halbe Wahrheiten. Erstens: Inzwischen sind unsere fahrbaren Untersätze mit Elektronik so vollgestopft, dass wir im Cockpit (hieß früher mal Armaturenbrett) zwar einen Fehler sekundenschnell diagnostizieren. Dafür dauert die Suche nach Werkstätten, die mit den Spezialmess- und Reparaturgerätschaften der Markenhersteller ausgerüstet sind, Stunden. Leidtragende sind die - meist preiswerteren - freien Werkstätten, die so mehr und mehr vom Markt verdrängt werden.

Und zweitens: Bis zu 40 Prozent Vertriebskosten, klagen die Autokonzerne, bleiben im Handel hängen. Das muss man anders herum sehen. Von 40 Prozent der Wertschöpfung eines Kraftfahrzeuges profitieren nicht VW in Wolfsburg oder Opel in Rüsselsheim, sondern die Händler. Da wollen die Autokonzerne natürlich selbst kassieren, zumal die Sparpotenziale in der Produktion und bei den Zulieferern inzwischen bis zum letzten Tropfen ausgequetscht worden sind. Deshalb geht es auch nicht nur um das einfache Schrumpfen der Händlernetze. Opel, VW und Co. wollen selbst stärker vom Handels- und Werkstattgeschäft profitieren. Mercedes-Benz macht es vor: Bis zum Gebrauchtwagenhandel hat die Nobelmarke alles fest im Griff.

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