Automobile : Daimler lässt Scheichs auf Pump kaufen

Daimler bietet in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Autofinanzierung nach islamischem Recht an - Zinsen sind demnach verboten. Trickreiche Konstruktionen machen es dennoch möglich.

Henrik Mortsiefer
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Pumpen auf Arabisch - Daimler bietet seine Autos nun auch zur Finanzierung nach islamischem Recht an. -Foto: dpa

BerlinLuxusautos aus deutscher Produktion sind bei reichen Ölscheichs sehr beliebt. Aber auch in Dubai oder Abu Dhabi kann sich offenbar nicht jedermann seinen Mercedes sofort leisten. Die Finanztocher des Stuttgarter Daimler-Konzerns bietet in den Scheichtümern der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) deshalb erstmals den Autokauf auf Pump an. Der Clou: Es wird auch eine Finanzierung nach islamischem Recht angeboten, das Zinsen verbietet. Trickreiche Konstruktionen machen es möglich. „Damit sind wir der erste Autohersteller mit einer eigenen Finanzierungs- und Leasinggesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten“, sagte der Chef der Finanzsparte, Jürgen Walker, am Mittwoch. Wenn Daimler das Geschäft erfolgreich etabliert habe, werde mittelfristig darüber entschieden, auch in anderen Märkten im Mittleren Osten Finanzdienstleistungen anzubieten.

Die Emirate sind für Daimler der größte Markt im Nahen Osten. Im vergangenen Jahr wurden dort 7800 Pkw und 3100 Lkw und Busse verkauft. Ziel für die neue Tochter sei auf mittlere Sicht ein Vertragsvolumen von 300 Millionen Euro, teilte Daimler mit.

Dass man die vermögende Kundschaft in den Ölförderländern hofiert, ist auch bei der Konkurrenz eine Selbstverständlichkeit. Eine islamkonforme Autofinanzierung wie Daimler hat man bei Porsche und BMW allerdings nicht im Angebot. „Wir beobachten aber die Märkte und schauen uns an, was die Wettbewerber tun“, sagt ein Porsche-Sprecher. Die VAE seien einer der wichtigsten Wachstums- und Zukunftsmärkte für Porsche – neben den USA, Russland und Asien. Im Geschäftsjahr 2007/2008 verkaufte Porsche in der Region Mittlerer Osten (inklusive Afrika) 6082 Fahrzeuge.

BMW hat das nicht nötig

„Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit, Finanzierungen nach islamischem Recht anzubieten“, heißt es bei BMW. Der Hersteller weist keine Absatzzahlen für die Region aus. Den Wettbewerber Daimler lässt man natürlich gerne wissen, dass die eigenen Kunden im Nahen Osten in der Regel liquide genug seien, um ihre Limousinen bar zu bezahlen. Unter Marketinggesichtspunkten klinge das neue Finanzangebot für Muslime sicher gut. In der Praxis spiele es beim Autokauf vor Ort aber wohl kaum eine Rolle.

Daimler sieht das offenbar anders. „Wir sind zuversichtlich und erwarten eine Steigerung der Absatzzahlen für Mercedes- Benz“, sagte Rashed A. J. al Fahim, Chairman der Al Fahim Group, die mit Daimler das neue Joint-Venture geschlossen hat. Von Zuwächsen auf seinen Stammmärkten kann Daimler – ebenso wie BMW – sonst nur träumen. Allerdings freut man sich in Stuttgart und München schon über eine Stabilisierung der eingebrochenen Nachfrage. So zeichnete sich im September beim Pkw-Absatz von Daimler ein Hoffnungsschimmer ab. Mit 114 300 Fahrzeugen der Marken Mercedes-Benz, AMG, Smart und Maybach wurden im vergangenen Monat zwar weltweit 6,5 Prozent Autos weniger als vor einem Jahr verkauft, wie Vertriebschef Joachim Schmidt am Mittwoch mitteilte. Mit diesen Verkaufszahlen wurde jedoch 2009 der bislang höchste Monatsabsatz erzielt. BMW hat das Schlimmste wohl hinter sich und verzeichnet erstmals seit einem Jahr wieder steigende Verkäufe. Im September wurden 122 354 Autos verkauft, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, teilte der Autobauer mit.

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