Wirtschaft : Automobilindustrie: 100 000 Arbeitsplätze in Ostdeutschland hängen vom Auto ab

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat am Freitag mit einem Festakt auf der Wartburg bei Eisenach sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. VDA-Präsident Bernd Gottschalk würdigte die Erfolgsgeschichte des Autos und der Automobilindustrie. Zur Gründungszeit des Vereins Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller, des Vorgängers des VDA, seien gerade 884 Automobile gefertigt worden, sagte Gottschalk. Heute würden von deutschen Konzernen einschließlich ihrer ausländischen Marken fast 13 Millionen Einheiten im Jahr produziert, was 22 Prozent der Weltproduktion ausmache.

Das Auto sei von einem Luxusgut für wenige Menschen zu einem attraktiven technologischen Spitzenprodukt für viele zu erschwinglichen Preisen geworden, sagte Gottschalk. Die deutsche Autoindustrie habe sich zu einer Schlüsselbranche entwickelt, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 360 Milliarden Mark erwirtschaftet habe und 755 000 Menschen direkt beschäftige. Direkt und indirekt sei jeder siebte Arbeitsplatz vom Automobil abhängig; jede vierte Steuermark komme aus der Branche.

Der VDA vermittle zwischen Unternehmen der Automobilindustrie und der Politik. Er melde sich zu Wort wegen der ständigen Verteuerung der Mobilität, wegen der Infrastruktur oder wegen des zunehmenden Defizits an steuerlicher Harmonie in Europa für das Nutzfahrzeuggewerbe. Zu den prägenden Besonderheiten des Verbands gehöre, dass von Anfang an Automobilhersteller und Zulieferer an einem Tisch gesessen hätten. Dieses gemeinsame Dach habe sich als tragfähig erwiesen, sagte Gottschalk. Der VDA stelle heute einen "Allround-Dienstleistungsbetrieb" für Mitglieder und externe Ansprechpartner dar und sei dabei, sich noch stärker international zu orientieren.

Seit 1991 habe die Automobilindustrie nahezu zehn Milliarden Mark in neuen Produktionsstätten in Ostdeutschland investiert, sagte Gottschalk. In den neuen Bundesländern biete das Automobil mehr als 100 000 Menschen direkt und indirekt Arbeit und sei damit eine der wichtigsten Branchen in Ostdeutschland überhaupt. Knapp 2,7 Millionen Autos rollten in den vergangenen zehn Jahren von ostdeutschen Bändern. Der Umsatz lag im Jahr 2000 bei rund 15 Milliarden Mark.

Der thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel sagte, das Auto werde auch in Zukunft eine Rolle spielen, wenn es sicher, modern und energieschonend sei.

Zuvor war an historischer Stelle im Spiegelsaal des Hotels Kaiserhof eine Erinnerungstafel angebracht worden. Hier wurde am 19. Januar 1901 der Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller gegründet. Er nannte sich ab 1923 Reichsverband der Automobilindustrie und trägt seit 1946 seinen heutigen Namen.

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