Wirtschaft : Automobilindustrie bereitet sich auf das Ende des Booms vor

FRANKFURT (MAIN) (fo/HB).Die Automobilhersteller müssen dem wachsenden Wettbewerbsdruck durch klare Positionierung ihrer Marken und durch breitangelegte Absatzmärkte begegnen.Die erfolgreiche Restrukturierung nach der Branchenkrise Anfang der 90er Jahre ist allein kein Garant für eine erfolgreiche weitere Entwicklung.Darin waren sich Vertreter der Industrie auf der "Handelsblatt"-Jahrestagung zum Thema "Automobilindustrie auf der Überholspur" einig.

Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen, warnte davor, den aktuellen Boom in der Branche zu überschätzen.Dieser Fehler sei schon einmal gemacht worden, als kräftige Nachfrageeffekte im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands die Probleme der Industrie überdeckten.

Die Hersteller müßten heute aus der guten Branchenkonjunktur eine Firmenkonjunktur entwickeln, um im Wettbewerb stehen zu können.BMW-Vorstandsmitglied Helmut Panke empfahl, sich weltweite Absatzmärkte zu erschließen, um so regionale Konjunkturprobleme auffangen zu können.

Daß der Kampf um Marktanteile an Schärfe deutlich zunehmen wird, machte Dieter Zetsche, Vertriebsvorstand bei Daimler-Benz, deutlich.Nach seiner Einschätzung werden von derzeit weltweit 17 unabhängigen Autoherstellern im Zuge einer weiteren Konzentration etwa zehn übrigbleiben.

Rechne man die Pläne aller Autohersteller zusammen, die ihren Marktanteil erhöhen wollen, müßte der Markt 150 Prozent ausmachen, sagte Zetsche.Für ihn resultiert der zunehmende Konkurrenzdruck aber nicht nur aus der kräftigen Kapazitätsausweitung.Der Mercedes-Vertriebschef sieht auch die Gefahr, daß Branchenfremde in den Vertrieb von Kraftfahrzeugen einsteigen und damit den Herstellern ihre Exklusivposition streitig machen.Für ihn ist es durchaus vorstellbar, daß auch im Automarkt irgendwann Handelsmarken auftauchen.Sein Rat für die Autobauer: "Wir müssen die Vertriebswege im Griff behalten."

BMW-Manager Panke ist der Überzeugung, daß die deutsche Autoindustrie aus der "Strukturkrise gelernt hat".Mit ihrer Restrukturierung sei die Branche ein Vorbild für den Standort Deutschland, der mit seinen Problemen in vielen Bereichen zehn Jahre zurückliege.

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