Wirtschaft : Automobilindustrie: Daimler-Aktionäre brauchen Geduld

Alfons Frese

Jürgen Schrempp hat Wort gehalten. Der Vorstandsvorsitzende von Daimler-Chrysler und sein wichtigster Helfer, Chrysler-Chef Dieter Zetsche, sind am ersten Milestone ihrer Sanierungsetappe angekommen. Das zweite Quartal war für Chrysler viel weniger schlecht als allerorten befürchtet worden war. Und wie jetzt die Dinge auf dem US-Markt stehen, könnte Chrysler bereits in diesem Jahr wieder profitabel werden - Schrempp hatte bislang 2002 avisiert. Also alles gut im Weltkonzern? Nicht ganz. Schrempp und seine Leute sind auf drei Großbaustellen unterwegs. Bei Chrysler greifen zweifellos die Sanierungsmaßnahmen. Vor allem aber hat die überraschend starke Nachfrage geholfen. Trotz der Konjunkturschwäche wird der nordamerikanische Automarkt in diesem Jahr das drittbeste Verkaufsergebnis aller Zeiten erreichen. Die Konsumfreude der Amerikaner ist offenbar unerschütterlich. Bei den Investitionen sieht das anders aus, zum Beispiel bei der Nachfrage nach Lastwagen. Der Lkw-Markt ist schwer eingebrochen, dadurch wurde die Daimler-Chrysler-Tochter Freightliner zum zweiten großen Verlustbringer. Ähnlich wie bei Chrysler hat Schrempp auch bei Freightliner die Führung ausgetauscht, das Sanierungsprogramm wird im Herbst vorgestellt, Profite sind in nächster Zeit nicht zu erwarten. Die wirft auch der dritte Problemfall nicht ab, die japanische Mitsubishi, an der Daimler-Chrysler mit 37,3 Prozent beteiligt ist. Die Zusammenarbeit von Chrysler und Mitsubishi - Bau gemeinsamer Plattformen, Austausch von Komponenten - wird erst in den nächsten Jahren Früchte tragen. Schrempp und seine Aktionäre brauchen also noch mehr Geduld.

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