Automobilindustrie : Daimler-Chef Zetsche hat ehrgeizige Absatzziele

Der Stuttgarter Autobauer will schneller wachsen als der Markt. Anlass für den positiven Ausblick auf der Hauptversammlung sind die Mercedes-Absatzzahlen.

Zetsche
Dieter Zetsche -Foto: ddp

BerlinDaimler gehe weiter davon aus, dass das operative Ergebnis (Ebit) aus dem laufenden Geschäft 2010 bei mehr als 2,3 Milliarden Euro liegen werde, sagte Konzernchef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung. Absatz und Umsatz würden steigen, aber noch immer deutlich unter dem Niveau des guten Jahres 2008 liegen. Angesichts der schwierigen Ausgangslage sei das weltweite Absatzziel ehrgeizig, betonte er: "Wir wollen 2010 etwa doppelt so schnell wachsen wie der globale Pkw-Markt."

Aufgrund des weltweiten Absatzanstiegs um 27 Prozent für das erste Quartal 2010 könne Daimler "zuversichtlich nach vorne blicken", sagte Zetsche anlässlich der Jahreshauptversammlung in Berlin. Auf dem boomenden Automarkt in China steigerte der Konzern seinen Absatz demnach um 136 Prozent. In den USA sei Mercedes-Benz zudem die "absatzstärkste deutsche Premiummarke".

2009 war Daimler tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust lag unter dem Strich bei 2,6 Milliarden Euro und auf operativer Basis bei 1,5 Milliarden. Dem Konzern machte nicht nur zu schaffen, dass die Kunden in der Wirtschaftskrise einen weiten Bogen um die teuren Autos der Oberklasse machten und die staatliche Abwrackprämie lieber für günstige Kleinwagen nutzten. Auch die Nachfrage nach Lkws war in der Rezession eingebrochen, was Daimler zusätzlich belastete.

Die Dividende soll deshalb für 2009 gestrichen werden, was bei dem Aktionärstreffen für Diskussionen sorgen dürfte. Zetsche verteidigte die Entscheidung als Ausnahme. "Dieser Schritt ist notwendig und langfristig gerade im Aktionärsinteresse, weil er das Ausschüttungspotenzial unserer Gewinnrücklagen für die kommenden Jahre erhöht", erklärte der Konzernlenker. Für das Jahr 2010 solle es wieder eine Dividende geben. Ziel bleibe eine Ausschüttungsquote von etwa 40 Prozent des Konzernergebnisses.

Zetsche hob die in der vergangenen Woche besiegelte Partnerschaft mit Renault/Nissan für die Entwicklung des Unternehmens hervor. Die Kooperation sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem "hochgradig effizienten Geschäftssystem". Daimler erhofft sich davon Synergien, insbesondere im Kleinwagensegment. So soll gemeinsam mit den Partnern das Sorgenkind Smart wieder in die Erfolgsspur gebracht werden. Geplant ist etwa, dass der Smart und der Renault Twingo künftig kostengünstig auf einer gemeinsamen Plattform gebaut werden. Renault/Nissan sollen zudem neue Drei- und Vierzylindermotoren für den Smart sowie für neue Kompaktmodelle der Mercedes-Benz A- und B-Klasse liefern. Daimler-Kleinaktionäre befürchten aber, dass wegen der Allianz Stellen in Deutschland abgebaut werden.

Durch die Partnerschaft erhoffen sich Daimler, Renault und Nissan Einsparungen und Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe. Die Vereinbarung verbindet den deutschen Traditionskonzern, zu dem Mercedes-Benz und Smart gehören, auf unbestimmte Zeit mit der schon zuvor bestehenden Allianz aus dem französischen Renault- und dem japanischen Nissan-Konzern.

Die Allianz sehe eine Zusammenarbeit auf vier Feldern vor, teilte Daimler mit: Durch eine gemeinsam entwickelte Fahrzeugarchitektur für den Renault Twingo und die Daimler-Marke Smart soll ein neuer Smart-Viersitzer gebaut werden. Außerdem werden gemeinsam neue Drei- und Vier-Zylinder-Motoren mit kleinerem Hubraum entwickelt. Zudem wollen Daimler und Renault-Nissan auch bei leichten Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten. Mercedes-Benz Vans will darüber hinaus sein Portfolio um ein komplett neues Einstiegsmodell erweitern. Nissan wiederum wird für seine Luxusmarke Infiniti Benzin- und Dieselmotoren von Mercedes-Benz beziehen.

Die Autobauer sind von der Krise der Autobranche schwer getroffen: Renault fuhr 2009 einen Verlust von 3,125 Milliarden Euro ein. Dies geht den Angaben zufolge teils auf die 44-prozentige Beteiligung an Nissan zurück. Daimler hatte im vergangenen Jahr nach Steuern rund 2,64 Milliarden Euro verloren. Die Fahrzeugabsätze waren in allen Fahrzeugsegmenten rückläufig gewesen, was zu einem Umsatzrückgang von 20 Prozent auf 78,9 Milliarden Euro führte.

Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters

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