Automobilindustrie : Daimler und Ford sehen schwarz

Die Abschwächung der Weltwirtschaft hinterlässt tiefe Spuren in den Bilanzen großer Autohersteller. Daimler und Ford schocken die Branche mit pessimistischen Prognosen für die zweite Jahreshälfte.

Henrik Mortsiefer
Zetsche
Daimler-Chef Dieter Zetsche wollte mit Mercedes richtig Gas geben. Doch 2008 spielt der Markt nicht mit. -Foto: AFP

BerlinAls Begründung wurden gestiegene Rohstoffpreise, ungünstige Wechselkurse und die sinkende Nachfrage insbesondere nach schweren Geländewagen genannt. Während Daimler seine Umsatz- und Gewinnziele überraschend deutlich reduzierte, kündigte Ford nach einem Verlust in Höhe von 8,7 Milliarden Euro im zweiten Quartal ein umfangreiches Sparprogramm an. Die Aktien brachen massiv ein und rissen andere Autowerte mit nach unten. Daimler verlor bis zu 4,5 Milliarden Euro seines Börsenwertes. Ford-Aktien gaben in New York mehr als 15 Prozent nach.

Der nach GM zweitgrößte US-Autokonzern will künftig noch stärker auf spritsparende Fahrzeuge setzen, die sich in Europa offenbar gut verkaufen. Hier schrieb Ford im Gegensatz zum tiefroten Heimatmarkt deutlich schwarze Zahlen. Die Produktion in Nordamerika soll nun noch schneller umgestellt werden.

Nach guten Zahlen von VW, Fiat und Peugeot-Citroën am Vortag trübte Renault am Donnerstag auch die Aussichten für den europäischen Automarkt. Der französische Hersteller muss wegen der Nachfrageschwäche sparen und will nach Medienberichten etwa 5000 Stellen einsparen. Für Europa werde ein Einstellungs-Stopp verfügt, die Produktpalette solle gestrafft werden, teilte Renault mit.

Bei Daimler fiel die Enttäuschung besonders groß aus, weil der Premiumhersteller im zweiten Quartal noch kräftig zulegte. Inzwischen kann sich der Konzern aber nicht mehr von der schwächeren Konjunkturentwicklung abkoppeln. Bis zum Jahresende sollen die Verkaufszahlen von Pkw und Nutzfahrzeugen zwar steigen und auch die Effizienz verbessert werden. Dies könne die schlechteren Marktbedingungen aber nicht ausgleichen, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Folge: Daimler rechnet nicht mehr wie bisher damit, den Vorjahresgewinn von 7,7 Milliarden Euro vor Steuern und Zinsen (Ebit) zu erreichen. Das neue Ziel sind nun sieben Milliarden Euro. Der Umsatz soll leicht über dem Vorjahreswert von 99,4 Milliarden Euro liegen.

Nach Einschätzung von Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist der revidierte Ausblick eine große Enttäuschung. „Die Konkurrenz und insbesondere die stärker gefährdeten französischen Autobauer hatten sich zuletzt eher optimistisch geäußert und ihre Ausblicke bestätigt“, sagte der Analyst. „Daher wurde nicht mehr damit gerechnet, dass ausgerechnet Daimler als Erster umfällt.“ Das sei „eine böse Überraschung“, sagte auch Georg Stürzer von der Unicredit. „Dass ausgerechnet Mercedes-Benz sein Gewinnziel kappen muss, ist starker Tobak.“ Der drastische Kurseinbruch wurde an der Börse allerdings als übertrieben bezeichnet.

Daimlers Marktkapitalisierung ist auf rund 37 Milliarden Euro gesunken. Verglichen mit Ende 2007 ist das weniger als die Hälfte. Bei einem Streubesitz von mehr als 90 Prozent könnte der Autokonzern interessant für mögliche Übernahmen werden. Diese Gefahr sieht Zetsche freilich nicht. Die Wahrscheinlichkeit schätze er nicht besonders hoch ein, sagte der Konzernchef auf einer Telefonkonferenz.

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