Wirtschaft : Automobilindustrie: Ein Vehikel für die Wirtschaft

Bernd Hops

Es gibt eine Branche in Deutschland, die vom derzeitigen Konjunkturabschwung noch weitgehend verschont ist: die Automobilindustrie. Zwar lahmt die Inlandsnachfrage. Aber ein deutlicher Exportzuwachs wiegt die Schwäche auf. Nie wurden in Deutschland in der ersten Hälfte eines Jahres so viele Autos produziert wie im Jahr 2001. Wird alles doch nicht so schlimm wie befürchtet? Können die Institute für Wirtschaftsforschung ihre Wachstumsprognosen bald wieder nach oben korrigieren?

Das Wort "Auto-Kanzler" könnte so für Gerhard Schröder angesichts der kommenden Bundestagswahl eine ganz neue Dimension erhalten. Doch darf sich Schröder auf dem unverhofften Erfolg der deutschen Autobauer nicht ausruhen. Denn ein ungutes Gefühl bleibt, wenn man sich die Zahlen genauer anschaut. Kein Automarkt in der EU ist im ersten Halbjahr 2001 so stark geschrumpft wie der deutsche, während die Nachfrage in Italien, Frankreich und Spanien zulegte. Außerdem kommt ein Großteil der Auslandsnachfrage nach hiesigen Autos aus Euro-Ländern - nicht aus den USA und Großbritannien, wo deutsche Produkte wegen des schwachen Euros in den vergangenen Monaten immer billiger geworden sind. Ein Großteil des Nachfragerückgangs in Europa geht indessen auf Deutschland zurück.

Die Botschaft ist klar: Offensichtlich haben sich die meisten EU-Staaten besser auf den Abschwung vorbereitet als die hiesige Wirtschaft. Und die Bürger dort haben Vertrauen in die Zukunft, sonst würden sie teure Produkte wie Autos zum jetzigen Zeitpunkt kaum kaufen wollen. Den Deutschen fehlt dieses Vertrauen offensichtlich. Auch das gehört demnach zu den Versäumnissen in der bisherigen Regierungszeit von Rot-Grün.

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