Wirtschaft : Automobilindustrie: Fünf Bewerber für BMW-Werk

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Eine der größten Investitionen der Automobilindustrie wird voraussichtlich in Deutschland getätigt. Von fünf möglichen Standorten für das neue BMW-Werk liegen drei in Deutschland, teilte das Münchener Unternehmen am Donnerstag mit. Alternativ-Standorte liegen in Frankreich und der Tschechischen Republik. Damit konzentriert sich BWM nach der Prüfung von ursprünglich 250 Bewerbern nur noch auf fünf Standorte: Leipzig, Schwerin und Augsburg, in der tschechischen Republik die Ortschaft Kolin östlich von Prag sowie an der französischen Atlantikküste, in der Nähe von Calais, die Stadt Arras. BWM will eine neue Fabrik mit einer Kapazität von rund 600 Fahrzeugen pro Tag bauen, dafür sind Investitionen in einer Größenordnung von bis zu einer Milliarde Euro vorgesehen. An dem neuen Standort könnten nach BMW-Angaben bis zu 10 000 Arbeitsplätze in der BMW-Fabrik und bei umliegenden Zulieferern entstehen. Bis Ende Juli soll die Entscheidung für das neue Werk fallen. Wie BMW weiter mitteilte, wird die Auswahl des Standortes "ausschließlich durch die von der BMW Group festgelegten Kriterien getroffen; im Vordergrund stehen dabei die verkehrstechnische Anbindung, die Verfügbarkeit von Personal, die Attraktivität des lokalen Marktes und der Gesamtkostenaspekt". Die Anforderungen an das Werksgelände sehen unter anderem eine Fläche von 250 Hektar auf ebenem Gelände vor; die nächste Wohnbebauung muss mindestens 800 Meter entfernt sein, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter werden von BMW vorausgesetzt. Ferner müssten die "administrativen Prozesse" wie etwa Genehmigungen so schnell laufen, dass der Betrieb 2004 beginnen kann. Grafik: Die Bewerber für das BMW-Werk Zu den Bewerbern für das neue Werk gehörte ursprünglich auch Berlin. In Pankow war dem Autohersteller ein rund 200 Hektar großes Gelände zwischen der B 109, der Bucher und der Schönerlinder Straße angeboten worden. Vor Jahren wollten sich dort der kanandische Autozulieferer Magna ansiedeln. Die Pläne zerschlugen sich, und auch im jetzigen Standortwettbewerb zeichnete sich relativ schnell ab, dass Berlin keine Chance hatte. Dabei ist BMW mit der Motorradfertigung in Spandau (2300 Mitarbeiter) bereits seit langem an der Spree tätig.

Die neue Autofabrik soll zum einen die bereits heute ausgereizten Kapazitäten der BMW Group erweitern und zum anderen Platz für den geplanten kleinen BMW schaffen. Nach dem Ausstieg bei der britischen Rover vor gut einem Jahr hatte BMW beschlossen, ein Modell unterhalb der 3er-Reihe zu bauen. Dieser kleine BMW soll nach bisheriger Planung im Werk Regensburg produziert werden. Um dort Platz zu schaffen, wird die Fertigung der überaus erfolgreichen 3er-Reihe von Regensburg in die neue Fabrik verlagert.

Wie die Dinge jetzt stehen, ist Leipzig Favorit für die Fabrik. Sachsen hat durchaus eine Tradition als Automobilstandort, nach der Wende hat dort insbesondere VW mit einem Montagewerk in Mosel an diese Tradition angeknüpft. Die Verkehrsinfrastruktur ist gut, Arbeitskräfte gibt es reichlich und Fördermillionen auch. Schließlich hatte der BMW-Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg mehr oder weniger deutlich für einen Standort im Inland plädiert. "Wir haben immer zum Standort Deutschland gestanden und stehen weiter dazu", hatte Milberg Ende letzten Jahres gegenüber dem Tagesspiegel gesagt. Und da BMW nach dem Abschied von Rover auf das Premiumsegment in allen Modellklassen setzt, macht sich ein "Made in Germany" einfach besser. Schwerin scheint nur eine geringe Chance zu haben, da Mecklenburg-Vorpommern nicht gerade für Fahrzeugbau bekannt ist. Und in Augsburg dürfte es Probleme mit Arbeitskräften geben.

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