Automobilindustrie : GM zu Sondierungsgesprächen bereit

Der schwer angeschlagene US-Autokonzern General Motors (GM) will mit den Konkurrenten Renault und Nissan über eine mögliche Kooperation sprechen.

Detroit - Die Beratungen sollten Aufschluss darüber geben, ob eine Zusammenarbeit "zum beiderseitigen Nutzen" denkbar sei, erklärte GM-Chef Richard Wagoner am Freitag nach einer Telefonkonferenz des Vorstands. Wagoner betonte, dass die Sondierungen ergebnisoffen geführt würden und dass jede Entscheidung "gründlich" auf ihre Auswirkungen für GM und die Aktionäre geprüft werde. Der Konzernchef bestätigte, dass er demnächst Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn treffen werde.

In einer schriftlichen Erklärung äußerte sich Wagoner betont vorsichtig zu den bevorstehenden Gesprächen, für die Renault und Nissan bereits am Montag grünes Licht gegeben hatten. "Bei uns gehen regelmäßig interessante Vorschläge ein, und wir sind es dem Unternehmen und den Aktionären schuldig zu prüfen, ob sie funktionieren könnten." Der GM-Chef betonte, dass er "unvoreingenommen" in die Gespräche gehe. Er sei "gespannt", welche Kooperationsvorschläge Renault und Nissan vorlegten. GM-Direktor George Fisher sagte, das Management werde den Vorstand detailliert über die Gespräche auf dem Laufenden halten, um diesen bei seinen Entscheidungen zu unterstützen.

Der französische Autobauer Renault begrüßte die Entscheidung des GM-Vorstands. Renault freue sich, "in Bälde" mit den Sondierungen zu beginnen, hieß es in einer Erklärung. Die Arbeitnehmerseite reagierte hingegen skeptisch. Eine mögliche Zusammenarbeit mit GM werde vor allem die "Wertsteigerung für die Aktionäre" im Auge haben, weniger die Interessen der Belegschaft und der Kunden von Renault, erklärte die Gewerkschaft.

Möglicher Machtkampf zwischen Wagoner und Kerkorian

Medienberichte mutmaßten über einen möglichen Machtkampf zwischen Wagoner und dem Großaktionär Kirk Kerkorian. Im Vorfeld der Telefonkonferenz hatte noch das "Wall Street Journal" berichtet, dass Wagoner der möglichen Allianz mit den Konkurrenten aus Frankreich und Japan skeptisch gegenüberstehe und dem Vorstand Gegenargumente vortragen wolle. Der Vorschlag für die Allianz stammt ursprünglich von Kerkorian. Er hält 9,9 Prozent der Aktien des weltweit größten Autokonzerns.

Wagoner hatte zuletzt in diversen Interviews betont, dass GM mit seinen Sanierungsbemühungen im vergangenen Jahr schon viel erreicht habe. So sei es gelungen, trotz der gestiegenen Ausgaben für Energie und Krankenversicherung die laufenden Ausgaben um acht Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) zu senken. Auch in der Erklärung vom Freitag stellte Wagoner klar, dass die "oberste Priorität" von GM derzeit die Umsetzung des Sanierungsplans sei, der unter anderem die Streichung von 30.000 Stellen in den USA und die Schließung mehrerer Werke vorsieht.

Japanischen Medienberichten zufolge könnten der französische Konzern Renault und der japanische Konzern Nissan, die ihrerseits über gegenseitige Kapitalbeteiligungen und eine gemeinsame Führung verbunden sind, jeweils zehn Prozent an GM übernehmen. General Motors ist gemessen an der Zahl der fabrizierten Autos der größte Hersteller der Welt; der US-Konzern sitzt aber auf Millardenschulden und muss zudem riesige Pensionszahlungen an seine Ex-Mitarbeiter leisten.

(tso/AFP)

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