Automobilindustrie : Opel-Betriebsrat will kämpfen

Der Opel-Mutterkonzern General Motors will auch die Standorte in Rüsselsheim und Eisenach erhalten. Das erklärte GM-Europa-Chef Nick Reilly. Inzwischen hat General Motors den Wegfall von bis zu 5400 Opel-Jobs in Deutschland bestätigt. Der Betriebsrat kündigt Widerstand an.

Henrik Mortsiefer

RüsselsheimOpel kann seine vier deutschen Werke in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach behalten. Bis zu 5400 der insgesamt gut 25 000 Arbeitsplätze in Deutschland sollen aber gestrichen werden. Dies kündigte GM-Europachef Nick Reilly am Mittwoch nach Gesprächen mit den Landesregierungen von Hessen und Thüringen sowie mit Belegschaftsvertretern an. In seinem Europageschäft will GM insgesamt 9000 Arbeitsplätze streichen. 50 bis 60 Prozent der Kürzungen beträfen Deutschland. Reilly machte allerdings deutlich, dass noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen worden seien. Zunächst solle es weitere Beratungen mit den Beschäftigten geben. Das Unternehmen werde bis Ende Dezember keine einseitigen Fakten schaffen. Aber: „Wir erwarten einen Beitrag der Mitarbeiter und hoffen, Hilfe von den Regierungen zu bekommen“, sagte der Opel-Chef.

Nach Angaben des Betriebsrates will GM in Rüsselsheim knapp 2500 Stellen abbauen, in Bochum 1800 und in Eisenach und Kaiserslautern jeweils 300. Mit einem massiven Stellenabbau muss auch die Opel-Belegschaft im belgischen Antwerpen rechnen. Moderater fallen hingegen die Sparmaßnahmen an den britischen Standorten aus.

Das lange als gefährdet geltende Werk im thüringischen Eisenach mit 1700 Mitarbeitern wird auch in Zukunft den Opel Corsa bauen. Auch die vorübergehend angedachte zweijährige Stilllegung des Werks sei vom Tisch, sagte Reilly nach einem Gespräch mit Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). „Wir sind erleichtert“, sagte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) dem Tagesspiegel. GM habe eine deutliche Bestandszusage für Eisenach gegeben und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. „Der Personalabbau soll sozialverträglich gestaltet werden“, sagte Machnig. Eine Zusage für eine öffentliche Unterstützung gab er nicht. „Wir wollen zuerst das GM-Konzept schriftlich haben“, sagte der Minister. Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte die Hoffnung, dass der Stellenabbau am Rüsselsheimer Opel-Stammsitz mit rund 16 000 Arbeitsplätzen weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht werden könne. Zu möglichen Staatshilfen sagte Koch: „Ein völlig neues Verfahren beginnt. Opel bekommt keine Sonderbehandlung.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bestandsgarantie für alle deutschen Opel-Werke begrüßt. Trotz geplanter Stellenstreichungen werde allen Standorten eine gute Perspektive geboten, sagte die Kanzlerin am Mittwochabend.

Die Arbeitnehmervertreter kündigten Widerstand gegen den Sanierungsplan an: „Der Betriebsrat und die IG Metall werden dieses Vorgehen, die Sanierung von Opel in Europa zulasten von Deutschland und Belgien durchzuziehen, nicht akzeptieren“, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz in Rüsselsheim.

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