Automobilindustrie : Opel muss oft in die Werkstatt

Kein Hersteller ruft so viele Fahrzeuge in Deutschland zurück wie Opel – BMW und Audi haben eine bessere Bilanz vorzuweisen. Toyota rief weltweit Millionen Autos zurück, verdient aber wieder gut.

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Vorsicht Opel. 29 Mal musste der Hersteller in den vergangenen fünf Jahren Autos wegen Sicherheitsmängeln zurückrufen.
Vorsicht Opel. 29 Mal musste der Hersteller in den vergangenen fünf Jahren Autos wegen Sicherheitsmängeln zurückrufen.Foto: p-a/dpa

Berlin - Kein Autohersteller musste in den vergangenen fünf Jahren so viele Fahrzeuge in die Werkstatt zurückrufen wie Opel. 29 Mal schrieb der Hersteller seit Mitte 2005 Fahrzeughalter an, weil technische Mängel beseitigt werden mussten, die die Sicherheit gefährdeten. Mehr als 407 000 Opel-Halter waren betroffen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Zahlen beruhen auf Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Noch häufiger als Opel informierten Renault (45) und Fiat (38) ihre Kunden über sicherheitsrelevante Mängel. Die Zahl der Betroffenen war mit 372 000 und 225 000 aber niedriger.

Obwohl Toyota mit dem weltweiten Rückruf von mehr als zehn Millionen Autos jüngst negative Schlagzeilen machte, schneidet der japanische Hersteller bei der Zahl der Rückrufe in Deutschland (14) im Fünf-Jahres-Durchschnitt besser ab als viele andere Hersteller. Weil das KBA aber allein in diesem Frühjahr 216 000 Rückrufbriefe an deutsche Toyota-Halter verschickte, war die Zahl der Betroffenen seit 2005 mit gut 349 000 überdurchschnittlich hoch.

Die deutschen Autokonzerne liegen im Vergleich komfortabel im Mittelfeld. VW kam seit 2005 auf 14 Rückrufaktionen mit gut 240 000 angeschriebenen Haltern, bei Mercedes waren es elf Aktionen mit knapp 12 000 Betroffenen, Audi informierte acht Mal insgesamt rund 45 000 Fahrzeughalter und BMW musste fünf Mal Autos zurückrufen, mehr als 15 000 Adressen wurden angeschrieben.

Die Ursachen für die Rückrufe waren laut KBA unter anderem Mängel an Bremsanlagen, Elektrik, Karosserie, Lenkanlage, Reifen und Rädern sowie Sitzen. Der durch den gigantischen Toyota- Rückruf entstandene Eindruck, moderne Autos würden immer anfälliger für Sicherheitsmängel, täuscht jedoch. „Die Gesamtzahl der Rückrufe sinkt seit einigen Jahren“, sagte eine KBA-Sprecher. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 140 Rückrufaktionen unter Beteiligung des KBA durchgeführt worden, 2008 waren es 148, im Jahr zuvor 157. Ein Spitzenwert wurde 2007 mit 167 Rückrufaktionen verzeichnet. Wie sich einzelne Hersteller im Laufe der Jahre entwickeln, veröffentlicht das KBA nicht.

Dass Rückrufaktionen das Image eines Autoherstellers schwer beschädigen können, zeigt der Fall Toyota. Gleichwohl haben die Japaner offenbar bei vielen Kunden Vertrauen zurückgewonnen – vor allem in Asien. Der größte Pkw-Hersteller der Welt erzielte zum Auftakt seines Geschäftsjahres den höchsten Quartalsgewinn seit zwei Jahren: netto 1,7 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Minus von knapp 690 Millionen Euro verbucht worden. Die Prognosen für Absatz und Gewinn wurden erhöht. Toyota rechnet nun damit, bis Ende März des laufenden Geschäftsjahres 2010/2011 rund 7,4 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Das sind 90 000 mehr als bisher angenommen. In Europa, wo VW Marktführer ist, erwartet Toyota aber einen schrumpfenden Absatz. Der Konzern rechnet zugleich mit steigenden Kosten für Werbung und Rabatte. Auch auf dem US-Markt gingen die Verkaufszahlen zuletzt zurück.

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