Wirtschaft : Automobilindustrie: Piëch erwartet Rekord

Der VW-Konzern steuert trotz abgeschwächter Autokonjunktur und Verkaufsproblemen in Deutschland erneut auf ein Rekordgeschäft zu. Absatz, Umsatz und Ergebnis legten wie erwartet zu, sagte der Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Hamburg. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte der VW-Chef. Während die Aktionäre die positive Geschäftsentwicklung würdigten, stießen die Pläne eines weiteren Aktienrückkaufs auf teils scharfe Kritik. Bereits der Rückkauf im Jahr 2000 habe ausschließlich dem Land Niedersachsen genützt, hieß es. Nach Angaben Piëchs konnte der VW-Konzern Einbußen in Deutschland und Nordamerika in diesem Jahr durch Zuwächse im Asien-Pazifik-Raum, Südamerika und Afrika sowie Kostensenkung mehr als ausgleichen. Finanzvorstand Bruno Adelt erklärte, der deutsche Markt habe sich "schwächer als erwartet und deutlich unter Plan" entwickelt. Zwar hätten höhere Exporte den Absatzrückgang im Inland ausgeglichen. Allerdings habe nur das angelaufene Programm zur Kostensenkung die Inlandseinbußen "neutralisiert". Die Einsparungen seien um so wichtiger, weil "saisonbedingt schwächere Monate und Produktanläufe noch vor uns liegen".

Laut Piëch hat der Konzern im ersten Quartal das Vorsteuerergebnis um 15 Prozent gesteigert und beim Umsatz um zehn Prozent zugelegt. Im Jahr 2000 erzielte der Konzern einen Umsatz von 167 Milliarden Mark (85,6 Mrd Euro) und ein Vorsteuerergebnis von knapp 6,8 Milliarden Mark. Zu Firmenkäufen oder Beteiligungen sagten Piëch und Adelt nichts. Die im vergangenen Jahr für 4,5 Milliarden Mark zurückgekauften Aktien würden zunächst behalten. Beteiligungen und Kooperationen mit anderen Herstellern würden "permanent geprüft". Piëch sagte: "Schiere Größe allein erzeugt keine Vorteile und trägt nicht automatisch zur Steigerung des Unternehmenswertes bei." Adelt hatte zuvor das Interesse am Lkw-Hersteller Scania bekräftigt. Bisherige Angebote seien allerdings zu hoch gewesen. Das bestätigte Piëch. Die Scania-Aktien im Besitz von Volvo seien "viel, viel zu teuer". Piëch sagte ferner, er rechne mit einem starken Absatzwachstum von leichten Lastwagen bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Weil der Pkw-Führerschein in mehreren Ländern nur noch bis 3,5 Tonnen gelte, würden viele Speditionen auf leichte Lkw setzen. Auch vom Zuwachs bei Kurier-Expressdienste werde der VW-Absatz profitieren.

Die VW-Tochter Rolls-Royce/Bentley soll im Jahr 2003 Gewinne abwerfen. Finanzvorstand Adelt kündigte an, dann werde eine neue Fahrzeuggeneration mit höheren Stückzahlen auf den Markt gebracht. Die britische Tochter hatte 2000 einen Verlust vor Steuern von 314 Millionen Mark ausgewiesen, nach einem Minus 433 Millionen Mark 1999. Auf Kritik der Aktionäre stießen die Pläne zum Rückkauf eigener Stammaktien. Michael Gierse von der Union Invest, einer Tochter der Volksbanken, sagte, dadurch würden Inhaber von Vorzugsaktien benachteiligt. Er forderte das VW-Management auf, die stimmrechtslose, "anachronistische Vorzugsaktie" abzuschaffen und so ein positives Zeichen für die Kapitalanleger zu setzen. Ein Vertreter des Investmentfonds Liverpool Limited betonte, der Stammaktien-Rückkauf diene nur dem Zweck, die "niedersächsische Sperrminorität zu sichern". Dagegen würde die Abschaffung der Vorzugsaktie und des VW-Gesetzes die Gleichbehandlung aller Aktionäre bewirken.

Auf der Hauptversammlung, bei der das Land Niedersachsen über mehr als die Hälfte der vertretenen Stimmen verfügte, sollten die Aktionäre einer Kapitalerhöhung um 130 Millionen Euro und dem Rückkauf von zehn Prozent eigener Aktien zustimmen.

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