Automobilindustrie : Pischetsrieder verlässt Volkswagen

Der Vorstandschef der Volkswagen AG, Bernd Pischetsrieder, verlässt überraschend den Konzern Ende des Jahres. Nachfolger soll Martin Winterkorn, Chef der Volkswagen-Tochter Audi, werden.

Wolfsburg - Pischetsrieder werde zum 31. Dezember ausscheiden, teilte die Volkswagen AG mit. Nachfolger Martin Winterkorn (59) ist seit dem 1. März 2002 Audi-Chef. Pischetsrieder und das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats hätten sich "einvernehmlich" über sein Ausscheiden verständigt, hieß es in der Mitteilung. In der nächsten turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrats am 17. November werde über die Bestellung Winterkorns entschieden.

Erst Anfang Mai hatte der Aufsichtsrat des Konzerns beschlossen, Pischetsrieders Vertrag bis 2012 zu verlängern. Zuvor war er wegen seines Sanierungskurses heftig in die Kritik geraten. Durch die Unterstützung wichtiger Vertreter im Aufsichtsrat gelang es ihm dennoch, eine Verlängerung seines Vertrages zu erreichen. Der 58-Jährige war im April 2002 an die Spitze von Europas größtem Autobauer gerückt.

Winterkorn begann 1981 bei Audi als Assistent des Vorstands für Qualitätssicherung. 1993 wurde er Leiter der "Konzern-Qualitätssicherung" der Volkswagen AG und im März 1994 zum Generalbevollmächtigten bestellt. Von Juni 1995 an war er zusätzlich für das VW-Konzern-Produktmanagement verantwortlich.

Winterkorn bereits im VW-Vorstand

Seit März 2002 ist Winterkorn Vorstandschef von Audi. Er leitet die im Januar 2002 neu gebildete Markengruppe Audi, zu der die Marken Audi, Seat und Lamborghini gehören. In seiner Eigenschaft als Audi-Chef ist Winterkorn auch im VW-Vorstand.

Der angeschlagene Volkswagen-Konzern konnte Ende Oktober dieses Jahres wieder bessere Zahlen vermelden. Trotz eines herben Gewinneinbruchs im dritten Quartal verdiente Europas größter Autobauer in den ersten neun Monaten unterm Strich 1,2 Milliarden Euro und damit knapp 77 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Angesicht des laufenden Sparprogramms und des kürzlich ausgehandelten Tarifvertrags erklärte Finanzchef Hans Dieter Pötsch 2006 zum Jahr der Restrukturierung. Pischetsrieder war wegen seines harten Sanierungskurses und des drohenden Wegfalls von bis zu 20.000 Stellen bei der Kernmarke VW in die Kritik geraten.

Die Volkswagen-Tochter Audi hatte dagegen ihren Gewinn im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel gesteigert. Die Marke mit den vier Ringen fuhr 407 Millionen Euro ein und damit 35,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Erfolg begründet sich vor allem durch die gestiegenen Verkäufe von Wagen mit gehobener Ausstattung. Audi macht einen Großteil seiner Umsätze mit Geschäftswagen. (tso/AFP)

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