Automobilindustrie : Toyotas Chef-Testfahrer stirbt bei Unfall

Toyota, der größte Autohersteller der Welt, trauert um Hiromu Naruse. Der 67-jährige Japaner geriet in der Eifel auf die Gegenfahrbahn und rammte einen BMW.

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In der Nähe des Nürburgrings stießen die beiden Wagen zusammen. Das gelbe Auto ist der Lexus-Prototyp.
In der Nähe des Nürburgrings stießen die beiden Wagen zusammen. Das gelbe Auto ist der Lexus-Prototyp.Foto: Polizeiinspektion Mayen

Berlin/Mayen/Köln - Joachim Brandscheidt kann sich auch einen Tag nach dem Unfall keinen rechten Reim auf den Hergang machen. Offen sei zum Beispiel, ob dieser verunglückte Japaner wirklich einen Helm am Autosteuer getragen hat, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Mayen in Rheinland-Pfalz. „Da gibt es unterschiedliche Erkenntnisse“, sagt er. Aber das ist nicht die einzige offene Frage in diesem kuriosen, zugleich aber sehr tragischen Fall.

Fest steht: Toyota, der größte Autohersteller der Welt, trauert um Hiromu Naruse. Der 67-Jährige war der Chef-Testfahrer des Konzerns und galt als Legende über dessen Grenzen hinaus. Naruse war regelmäßig in der Eifel unterwegs, um Prototypen des Toyota-Konzerns auf der Rennstrecke am Nürburgring zu testen. Am Mittwoch war er offenbar auf dem Weg zum geheimen Werkstattzentrum Toyotas in der Eifel. Um Punkt 10.29 Uhr geriet er am Steuer eines Lexus LFA in einer langgezogenen Linkskurve auf der Landstraße L 94 zwischen Brücktal und Boos auf die Gegenfahrbahn. Die Straße war trocken, die Sonne schien. Da stieß er frontal mit einem 3er-BMW zusammen, in dem zwei Männer, 33 und 34 Jahre alt, saßen. Kurioserweise waren sie ebenfalls Testfahrer – sie prüften Reifen auf ihre Tauglichkeit. Naruse starb noch am Unfallort. Die BMW-Fahrer wurden schwer verletzt, der Beifahrer schwebt auch am Donnerstag noch in Lebensgefahr.

Laut Polizist Brandscheidt war Naruse „mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit“ der Verursacher des Unfalls. Ob er zu schnell unterwegs war oder eine technische Panne an dem Testmodell, das vollgestopft war mit Messinstrumenten, verantwortlich ist, werde aber noch geprüft.

Bei Toyota und der Edelmarke Lexus kann man sich den Fall ebenfalls nicht erklären. Naruse habe schon 1963 bei dem Konzern angeheuert, er sei der erfahrenste Testfahrer des Konzerns überhaupt. Lexus-Sprecher Karsten Rehmann nannte ihn einen Sicherheitsfanatiker: „Umso unerklärlicher ist es, wie es zu dem Unfall kommen konnte.“

Das Unglücksfahrzeug wurde in Japan entwickelt. Ein Toyota-Sprecher schloss zugleich aus, dass ein verklemmtes Bremspedal ursächlich für den Unfall war. Toyota war zuletzt unter anderem wegen solcher Pannen in die Kritik geraten. Zunächst trauere man um den „Vater aller in Großserie produzierten Toyota- Sportwagen“ und spreche seiner Familie das Beileid aus. Dass jemand noch im Alter von 67 Jahren die körperlich anstrengende Arbeit eines Testfahrers erledigt, erklärte der Sprecher mit kulturellen Unterschieden: In Japan sei das nicht Ungewöhnliches, dort übertrage man den erfahrensten Mitarbeitern die verantwortungsvollsten Jobs.

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