Automobilindustrie : Umleitung für Porsche und VW

Rechtliche und steuerliche Risiken verzögern die Verschmelzung der Autohersteller Porsche und Volkswagen. Klagen sind in Vorbereitung.

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Keine Berührungsängste. „Der integrierte Autokonzern wird umgesetzt“, sagte VW-Chef Winterkorn und ließ sich am Dienstag mit einem Speedster ablichten.
Keine Berührungsängste. „Der integrierte Autokonzern wird umgesetzt“, sagte VW-Chef Winterkorn und ließ sich am Dienstag mit einem...Foto: dpa

Berlin - Volkswagen-Chef Martin Winterkorn nahm demonstrativ am Steuer eines Porsche Speedster Platz. Das Motiv für die Fotografen sollte von Stuttgart aus um die Welt gehen: VW hat den Sportwagenhersteller fest im Griff.

Doch was Winterkorn auf der Porsche- Bilanzpressekonferenz am Dienstag sagte, klang anders. Der Zeitplan für den geplanten Zusammenschluss beider Unternehmen wird wohl nicht einzuhalten sein. Der Grund sind Schadenersatzklagen in den USA und Deutschland, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowie weitere rechtliche und steuerliche Risiken in Milliardenhöhe. Die 2009 vereinbarte Verschmelzung lasse sich daher möglicherweise nicht wie geplant 2011, sondern spätestens erst Anfang 2015 vollziehen. Die Verschmelzung zu einem Unternehmen mit gemeinsamer Aktionärsbasis bleibe aber „erklärtes Ziel“ der Firmen, die mittels Überkreuzbeteiligungen bereits verflochten sind, betonte VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch, der auch die Finanzen der Porsche-Holding führt.

„Der integrierte Autokonzern wird umgesetzt“, sagte Winterkorn, der neben VW zugleich auch die Porsche-Obergesellschaft führt. Die Integration von Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern werde auf jeden Fall vollzogen.

Glaubt man der Münchener Rechtsanwaltskanzlei CLLB, werden sich VW und Porsche vorher noch vor einem deutschen Richter verantworten müssen. Bereits Anfang kommenden Jahres könnte es laut CLLB zu einem ersten Gerichtsverfahren in Deutschland kommen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Einleitung des Klageverfahrens“, sagte Rechtsanwalt Franz Braun, Partner bei CLLB, am Dienstag dem Tagesspiegel. Die Anwälte vertreten zusammen mit der US-Kanzlei DRRT 14 internationale Fonds, die Schadenersatzforderungen in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro geltend machen. Sie werfen den Unternehmen Marktmanipulation im Zuge der versuchten VW-Übernahme vor. „Wir wollen möglichst eine gemeinsame Klage einreichen“, sagte Braun. Da es aber viele verschiedene Kläger gebe, sei die Abstimmung kompliziert. „Das Klageverfahren könnte schon Ende 2010 beginnen, spätestens aber Anfang 2011“, sagte Braun. Im Januar will zudem ein Gericht in den USA über die Zulassung von Schadenersatzklagen mehrerer Fondsgesellschaften gegen Porsche entscheiden. Im Zuge der Fusion mit VW könnte zudem der deutsche Fiskus noch mehr als eine Milliarde Euro an Steuerforderungen erheben, erläuterte Pötsch. Dieses Steuerrisiko lässt sich seinen Worten zufolge nach derzeitiger Gesetzeslage erst 2014 endgültig ausschließen. Gegen die früheren Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter ermittelt zudem die deutsche Staatsanwaltschaft.

Porsche hatte sich 2009 bei der Mehrheitsübernahme des viel größeren VW- Konzerns finanziell verhoben und Milliardenschulden angehäuft. VW drehte den Spieß um und rettete den Stuttgarter Sportwagenbauer durch den Erwerb von knapp der Hälfte des operativen Geschäfts vor dem Aus. Beide Unternehmen kamen überein, sich bis Ende 2011 vollständig zusammenzuschließen, um zum weltgrößten Autobauer aufzusteigen.

Vor dem Zusammenschluss muss die Porsche Holding, die mit 51 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt ist, ihre Schulden mittels einer bis zu fünf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung abbauen. Eine erste Kreditlinie über 2,5 Milliarden Euro wird Mitte kommenden Jahres fällig. Die Kapitalspritze sollen die Vorzugs- und Stammaktionäre von Porsche Ende November beschließen. Sollte die Verschmelzung nicht gelingen, haben sich die Autobauer ein Hintertürchen offengehalten. Die Wolfsburger haben im Fall der Fälle auch die Möglichkeit, die restlichen 50,1 Prozent der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft zu übernehmen. Bisher hält VW 49,9 Prozent. Die Aufstockung wäre aber erst im Zeitraum zwischen dem 15. November 2012 und 31. Januar 2015 möglich. mit rtr, dpa

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