Wirtschaft : Automobilindustrie: VW bewegt sich im Streit um neues Tarifmodell

Bei den Verhandlungen über ein neues Tarifmodell bei der Volkswagen AG hat der Autokonzern nach Angaben aus Verhandlungskreisen am Montag ein verändertes Angebot in Aussicht gestellt. Dabei gehe es vor allem um die noch strittige Arbeitszeitregelung für das so genannte Modell "5000 mal 5000". Einzelheiten wurden nicht bekannt.

VW will an den Standorten Wolfsburg und Hannover ein flexibles Produktionsmodell einführen, bei dem die Beschäftigten so lange arbeiten sollen, bis ein Produktionsziel erreicht ist. Damit sollen 5000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, für die VW einen einheitlichen Bruttolohn von 5000 Mark zahlen will.

Die zunächst 3500 einzustellenden Mitarbeiter am Standort Wolfsburg sollen einen neuen Minivan auf der Basis des VW-Golf produzieren. 1500 neue Kräfte sollen später in Hannover eingestellt werden. Allerdings gibt es hier nach Angaben der Gewerkschaft noch keine Modell-Entscheidung.

IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine forderte VW zu Verhandlungsbeginn am Montag auf, ein verändertes Konzept vorzulegen, das in der Frage der Arbeitszeit verhandlungsfähig sei. Ursprünglich wollte Volkswagen eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden in dem neuen Tarifmodell festschreiben. Das war von der IG Metall als "Horrorstundenzahl" zurückgewiesen worden. Volkswagen war danach bereits im Mai von dieser Forderung abgerückt, ohne allerdings einen konkreten neuen Vorschlag zu machen. Für die gut 100 000 VW-Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken gilt seit 1994 die Vier-Tage-Woche mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 28,8 Stunden. Diese Regelung wäre von dem neuen Modell nicht betroffen.

Weder IG-Metall-Bezirkschef Meine noch VW-Verhandlungsführer Josef Senn äußerten sich während einer Verhandlungspause am Mittag zum Stand der Gespräche. Mit einer Einigung wurde inoffiziellen Angaben zufolge am Montag noch nicht gerechnet.

Die IG Metall ist mit dem Tarifmodell des Autokonzerns im Grundsatz einverstanden und sieht darin wie VW einen Erfolg versprechenden Versuch, am Industriestandort Deutschland neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Gewerkschaft pochte jedoch bisher auf eine deutlich niedrigere durchschnittliche Wochenarbeitszeit. Strittig ist auch, in welchem Umfang die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen für die Beschäftigten auf die Arbeitszeit angerechnet werden.

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