Wirtschaft : Automobilindustrie: Zu viele Fahrzeuge für zu wenige Kunden

Die Autoindustrie in Europa hat eine holprige Fahrt durch die ersten drei Monate des Jahres hinter sich. Die Neuzulassungen in Westeuropa sanken um fast fünf Prozent. Ein Übergreifen der Krise des US-Marktes befürchtet die Branche bislang aber nicht. Klare Trends sind derzeit schwer zu erkennen, die Entwicklung von Land zu Land und von Marke zu Marke schwankt stark. Deutschland steht wegen eines boomenden Exportes noch relativ gut da. Sorgen bereitet aber die Inlandsnachfrage.

Die internationalen Autokonzerne kämpfen mit weltweiten Überkapazitäten von rund 25 Prozent. Besonders hart trifft es den US-Markt. Bei General Motors und Ford sind die Lagerbestände mittlerweile auf 80 Tage angewachsen, 20 Tage mehr als üblich. Im Werben um die Kunden liefern sich die traditionsreichen US-Marken mit dem Konkurrenten Chrysler einen gnadenlosen Kampf um die höchsten Preisnachlässe. In Europa tun sich derzeit vor allem Japaner und Koreaner schwer. In den 15 EU-Staaten einschließlich Norwegen, der Schweiz und Island brachen die Neuzulassungen von Mazda im ersten Quartal um 33 Prozent, die von Honda um 28 Prozent und die von Hyundai um 20 Prozent ein. Ein Grund sind fehlende neue Modelle. Häufig spielt aber auch eine ungünstige Wahl von Produktionsstandorten eine Rolle. Mit dem Großteil der Werke in Großbritannien leiden die asiatischen Produzenten unter dem hohen Pfundkurs, der Exporte nach Kontinentaleuropa verteuert.

Bei den Autobauern in Deutschland sind Halden dagegen eine Seltenheit. "Die Deutschen arbeiten an der Kapazitätsgrenze", meint Ulrich Winzen von den Essener Branchenexperten Marketing Systems. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie legten die Ausfuhren im ersten Quartal um zwölf Prozent auf 994 100 Fahrzeuge zu - ein neuer Rekord. Ohne die hohe Nachfrage aus dem Ausland sähe es jedoch schlecht aus, denn im Inland halten sich die Käufer zurück: Um sieben Prozent ging der Pkw-Absatz in Deutschland im ersten Quartal zurück.

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