Automobilverband VDA : Autokonzerne sprechen Präsident Wissmann Vertrauen aus

Die Autobosse dementieren, dass sie die Ablösung des VDA-Präsidenten betreiben. Matthias Wissmann steht vor der Internationalen Autoausstellung IAA dennoch unter Druck.

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Atmosphärische Störungen. Wissmann (r.) hatte nach den Kartell-Vorwürfen gegen BMW, Daimler und Volkswagen einen Kulturwandel gefordert. Daimler-Chef Zetsche reagierte öffentlich „überrascht“ über die Äußerungen des Lobbyisten.
Atmosphärische Störungen. Wissmann (r.) hatte nach den Kartell-Vorwürfen gegen BMW, Daimler und Volkswagen einen Kulturwandel...Foto: Soeren Stache/dpa

Das Gerücht ist unangenehm für den Betroffenen, das Dementi fällt entsprechend vehement aus: Matthias Wissmann, Präsident des deutschen Automobilverbandes VDA, soll nicht entmachtet werden. BMW, Daimler, Volkswagen – die wichtigsten Mitglieder des Verbandes standen am Donnerstag schnell bereit, um einen Bericht zurückzuweisen, nach dem der 68-jährige Wissmann nach der Internationalen Autoausstellung (IAA) abgelöst werden soll. Das hätte noch gefehlt: die weltgrößte Automesse, die mitten in der Diesel-Krise ohnehin unter keinem guten Stern steht, als Abschiedsveranstaltung für den mächtigsten Lobbyisten der Branche.

„Das ist völlig abwegig“, sagte eine VDA-Sprecherin. BMW-Chef Harald Krüger betonte: „Wir haben volles Vertrauen in Herrn Wissmann. Alles Weitere ist für uns kein Thema.“ Ein VW-Sprecher dementierte den Bericht ebenfalls. Zuvor hatte bereits Daimler dem Bericht widersprochen. „Von einer Ablösung Matthias Wissmanns kann keine Rede sein“, sagte Daimler-Sprecher Jörg Howe.

Wissmanns Mahnung "überrascht" Dieter Zetsche

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte unter Berufung auf Industriekreise berichtet, Daimler, BMW und Volkswagen wollten nach der IAA (14. bis 24. September) einen anderen Präsidenten an der VDA-Spitze sehen, um einen personellen und inhaltlichen Neuanfang zu wagen. Koordinator der Suche nach einem Nachfolger sei der Daimler-Vorstandschef. Dieter Zetsche hatte sich zuletzt öffentlich „überrascht“ über Äußerungen Wissmanns im Zusammenhang mit den Kartell-Vorwürfen (siehe Kasten) gegen die deutschen Autobauer geäußert. Wissmann hatte einen Kulturwandel in der Branche sowie eine „Null-Fehler-Toleranz“ gefordert. Unglücklich operierte der VDA selbst während des Diesel-Gipfels Anfang Januar, als er bereits vor dem Ende der Verhandlungen zwischen Industrie und Politik eine Pressemitteilung verbreitete.

Wissmann, der seit 2007 VDA-Präsident ist, äußerte sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der IAA nicht zu seiner Zukunft. Die alle zwei Jahre stattfindende Messe, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wird, soll ganz im Zeichen der Digitalisierung stehen. „Keine andere Automobilmesse setzt den Schwerpunkt Digitalisierung so stark wie die IAA“, sagte Wissmann. Die Zukunft des Verbrennungsmotors und alternative Antriebe wie Elektromobilität seien aber zwei weitere zentrale Themen. Mit rund 1000 Ausstellern sei die Messe mit einer Fläche von rund 200 000 Quadratmetern ausgebucht. Mehr als 50 Automarken seien vertreten.

IAA ohne Tesla und andere Marken

Allerdings haben einige namhafte Hersteller abgesagt. „Das vermutlich wichtigste Auto des Jahres 2017 – das neue Tesla Model S – steht nicht auf der IAA“, sagte der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Tesla ist ebenso wenig auf der Messe vertreten wie Alfa Romeo, DS, Fiat, Infiniti, Jeep, Maserati, Mitsubishi, Nissan, Peugeot und Volvo. „Das Konzept der klassischen Automessen zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen“, glaubt Dudenhöffer. Es dominierten die schlechten Nachrichten. „Die Autobauer gehen durch eine der größten Vertrauenskrisen.“

Enttäuscht dürften viele VW-Kunden am Donnerstag auf ein Urteil des Landgerichts Braunschweig reagieren. Demnach haben Käufer von manipulierten VW-Dieselautos nach Auffassung der Richter keinen Anspruch auf die Rückerstattung des Kaufpreises. Das Gericht wies eine Musterklage des Rechtedienstleisters MyRight auf Schadenersatz ab. Zwar sei die von Volkswagen verwendete Software zur Abgasregulierung unzulässig. Daraus resultiere aber kein Anspruch auf Schadenersatz, die Zulassung der Fahrzeuge habe weiter Bestand, begründete das Gericht sein Urteil. MyRight-Anwalt Christopher Rother kündigte Berufung an: „Wir werden den Instanzenweg gegen dieses Urteil ausschöpfen.“

Das Gericht lehnte auch den Antrag MyRights ab, den Fall dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Vorabentscheidung vorzulegen. Damit muss der Kläger den Weg über eine Berufung beim Oberlandesgericht und gegebenenfalls eine Revision beim Bundesgerichtshof gehen. MyRight vertritt nach eigenen Angaben mehr als 100 000 VW-Kunden. (mit dpa)

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