Automobilwirtschaft : VW baut in Belgien 4000 Stellen ab

Der VW-Konzern will im Zuge seiner Sparpläne die Golf-Produktion in Belgien stoppen und nach Deutschland verlagern. In dem belgischen Werk Forest werden bis zu 4000 Stellen abgebaut.

Brüssel/Wolfsburg - Zwei Drittel der 5.300 Stellen im Werk Forest bei Brüssel werden aufgrund der Verlagerung gestrichen. Durch die Konzentration des Golf-Baus in Deutschland wolle der Konzern mehr als hundert Millionen Euro pro Jahr sparen. In Belgien reagierten Gewerkschafter und Beschäftigte schockiert. Sie befürchten das baldige Aus für das VW-Werk Forest in Brüssel. Die belgischen VW-Beschäftigten streikten aus Protest gegen die Sparpläne.

Am belgischen VW-Standort werden derzeit 204.000 Autos pro Jahr gebaut. Davon sind 10.000 Polos, der Rest sind Golf. Ob Brüssel den Zuschlag für ein anderes VW-Modell erhalte, sei derzeit noch nicht entschieden, sagte ein VW-Sprecher. Der größte europäische Autobauer will mit der Verlagerung der gesamten Golf-Fertigung nach Wolfsburg und Sachsen seine deutschen Werke besser auslasten. In Wolfsburg steht das VW-Stammwerk, bei Volkswagen in Sachsen werden im Werk Mosel bei Zwickau Fahrzeuge gebaut, in Chemnitz befindet sich die Motorenfertigung. VW will im Zuge massiver Sparpläne in Europa in den nächsten drei Jahren allein in Deutschland 20.000 Stellen streichen. Auch in Spanien und Portugal ist ein Arbeitsplatzabbau geplant.

In Belgien sind Gewerkschafter und Beschäftigte trotz der Bestandszusage durch VW skeptisch, was die Zukunft des belgischen Volkswagen-Werks angeht. Sie gingen zunächst von einem Wegfall von bis zu 4000 Stellen aus: "Meiner Meinung nach kann Volkswagen Brüssel mit 1500 Beschäftigen nicht überleben - das hier ist der erste Schritt zur Schließung", sagte Pascal Van Cauwenberge von der christlichen Gewerkschaft CSC. Ein VW-Mitarbeiter und Mitglied der sozialistischen Gewerkschaft FGTB sagte, die Stellenstreichungen bedeuteten binnen kurzer Zeit das Ende für VW in Belgien. "Man hat hier den Eindruck, als habe einen alle Welt im Stich gelassen", sagte er. Ein Kollege ergänzte: "Wenn wir hier den Golf nicht mehr haben, dann ist Forest tot."

Weiterer Schlag für belgische Autoproduktion

Von den Sparplänen bei VW sind auch etwa 10.000 Beschäftigte in der belgischen Zulieferindustrie betroffen. Die Bürgermeisterin von Forest, Corinne de Permentier, sprach von einer "nationalen Katastrophe".

Der belgischen Automobilindustrie insgesamt droht mit den Sparplänen bei VW ein weiterer herber Schlag. Schon in den vergangenen zehn Jahren waren zahlreiche Stellen gestrichen worden, unter anderem verloren 3000 Renault-Mitarbeiter ihre Jobs. Der belgische Regierungschef Guy Verhofstadt hatte an die VW-Geschäftsführung appelliert, die Verdienste des belgischen Werks als eines der produktivsten der gesamten VW-Gruppe zu würdigen. (tso/AFP)

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