• Autopräsident lehnt die Steuerpläne der Koalition ab Auftragsbestand so schwach wie zuletzt in der Krise 1993/94

Wirtschaft : Autopräsident lehnt die Steuerpläne der Koalition ab Auftragsbestand so schwach wie zuletzt in der Krise 1993/94

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Frankfurt (Main) (dpa). Die Steuerpläne der Bundesregierung werden nach Ansicht des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) den erhofften Aufschwung in der Branche belasten. VDAPräsident Bernd Gottschalk appellierte am Dienstag an Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Pläne zu überdenken. Was bis jetzt auf dem Tisch liege, entziehe den Kunden massiv Kaufkraft und belaste den Industriestandort Deutschland zusätzlich, kritisierte Gottschalk in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Man muss in Europa schon lange nach einer Regierung suchen, die der eigenen Industrie ins Knie schießt.“ Besonders betroffen ist der Verband von der geplanten Ausweitung der Steuer für die private Nutzung von Firmenwagen. „Neun von zehn Firmenwagen sind deutsche Modelle, in der Summe sind das etwa eine halbe Million Autos jährlich“, mahnte der VDA-Präsident.

Die Vorboten einer Belebung im Inlandsgeschäft haben nach Meinung des VDA bereits einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Nach drei Jahren rückläufiger Entwicklung im Inland sei die Branche für 2003 wieder von einer Erholung ausgegangen. Nicht zuletzt der aufgestaute Nachholbedarf und neue Modelle hätten Zuversicht ausgelöst. „Nun ist bei den Prognosen für 2003 aber Vorsicht angebracht“, mahnte Gottschalk. Auch der starke Anstieg der Inlands-Bestellungen im Oktober ändere daran nichts. Das Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr sei auf Sondereffekte wie Kaufanreize und günstige Finanzierungen zurückzuführen. Als Beginn eines Aufschwungs könne dies keinesfalls gewertet werden. Bedenklich sei vielmehr, dass der gesamte Auftragsbestand den niedrigsten Wert seit den Krisenjahren 1993/94 erreicht habe.

Die Pkw-Produktion fiel im Oktober mit 454 000 Einheiten rund fünf Prozent schlechter aus als vor einem Jahr. Auch in den ersten zehn Monaten rollten mit 4,29 Millionen Pkw fünf Prozent weniger Modelle von den Fließbändern der deutschen Hersteller. Der gegenüber Export und Inlandsabsatz deutlichere Produktionsrückgang deutet darauf hin, dass sich die Fertigung zunehmend an den Bestellungen orientiert und Lagerhaltung vermieden wird. In den ersten zehn Monaten ging der Inlandsabsatz um drei Prozent auf 2,76 Millionen Autos zurück. Dagegen fiel der Export von Januar bis Oktober nur um zwei Prozent. In den USA konnten die deutschen Hersteller ihren Marktanteil von 9,0 auf 9,8 Prozent ausweiten.

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