Wirtschaft : Autoproduktion auf Hochtouren: Export gleicht Inlandsflaute aus

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Die deutsche Autoproduktion läuft auf Hochtouren: Die Hersteller haben ihre Kapazitäten zu 95 Prozent ausgelastet und wollen 2000 im dritten Jahr in Folge mehr als fünf Millionen Autos vom Band rollen lassen. Davon profitiert auch der Arbeitsmarkt. Die Autoindustrie beschäftigt 744 000 Mitarbeiter, 15 000 sind seit Jahresanfang hinzugekommen. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), sagte am Mittwoch bei der Vorlage des Jahresberichts "Auto 2000" in Berlin ein "ansprechendes Autojahr" voraus. Getrübt werde die gute Stimmung lediglich von der Situation auf dem Inlandsmarkt, der "eine gewisse Atempause erkennen lässt". Im zweiten Halbjahr werde es aber eine Belebung geben. Dafür sprächen das gesamtwirtschaftliche Klima, die Steuerreform und der Abbau des Gebrauchtwagenbestandes. Im Juli war die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um 19 Prozent gesunken.

Zwei Drittel der Gesamtkapazität seien derzeit für den Export reserviert. Die Auftragseingänge zeigten, dass der Pkw-Ordereingang aus dem Ausland in den ersten sieben Monaten den weniger dynamischen Inlandsmarkt ausgleiche, sagte Gottschalk. Die Ausfuhr von Pkw stieg nach VDA-Angaben in den Monaten Januar bis Juli um vier Prozent, die der Nutzfahrzeuge um zehn Prozent. Dies liege über den Prognosen. Besonders lebhaft sei die Nachfrage auf jenen Märkten ausgefallen, auf denen die deutschen Autobauer währungsbedingt profitierten; so bei Lieferungen in die USA, nach Japan und in die ostasiatischen Länder.

Insgesamt wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres 3,3 Millionen Fahrzeuge produziert. "Die Fertigung lag damit auf dem hohen Niveau des Vorjahres", so Gottschalk. Angesichts der sehr unterschiedlichen Entwicklung im In- und Ausland wollte der VDA-Präsident keine Prognose auf Monatsbasis abgeben. Im Gesamtjahr 2000 würden aber voraussichtlich 5,15 Millionen Autos produziert - "das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der deutschen Autoindustrie". 1999 waren 5,7 Millionen Automobile hergestellt worden, zehn Prozent der Weltproduktion. Auch beim Umsatz steuere die Branche auf einen neuen Rekord zu: Im ersten Halbjahr erzielten die Autobauer laut VDA insgesamt 182 Milliarden Mark. 1999 war der Umsatz um acht Prozent auf 338 Milliarden Mark gestiegen.

Außerordentlich hohe Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, eine langfristige Marktvorbereitung insbesondere in den USA sowie neue Allianzen, Fusionen, aber auch Desinvestitionen hätten die deutschen Unternehmen international wettbewerbsfähiger gemacht, sagte Gottschalk. Die Hauptlast habe bisher bei der Industrie gelegen, "oftmals auch unterstützt von Betriebsräten und Mitarbeitern". Nun warte die Autobranche auf die entlastenden Effekte der Steuerreform. Der ausgelöste Kaufkraftzuwachs von rund 30 Milliarden Mark könne einen "Sogeffekt auch für die Autobranche" haben. Der VDA-Präsident warnte die Bundessregierung davor, die anstehenden Aufgaben der Verkehrspolitik durch Abgabenerhöhungen und neue Steuern lösen zu wollen. Die Ökosteuer und steigende Benzinpreise belasteten die Autofahrer ohnedies. Eine Anhebung der Straßengebühren für schwere Lkw lehnte Gottschalk ebenfalls ab.

Dem Wunsch der EU-Kommission, den Autoverkauf zu lockern, erteilte Gottschalk ebenfalls eine Absage. "Einen separaten Verkaufskanal über Dritte, wie etwa Kaufhäuser oder gar Coffee-Shops, muss und kann es nach Auffassung der Automobilindustrie nicht geben." Das Internet rücke Kundschaft und Hersteller zwar "elektronisch näher". Für die Abwicklung des Autokaufs würden jedoch weiterhin Profis benötigt.

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