Wirtschaft : Autos aus dem Drogeriemarkt

Konkurrenzlos günstig: EU-Importwagen, auch von Schlecker

Felizitas Thom

Den Porsche fast zehn Prozent günstiger vom Drogeriemarkt, den Ford „Galaxy“ über 20 Prozent billiger über das Versandhaus oder den Fiat bis zu 30 Prozent günstiger aus Portugal. Käufer von EU-Importwagen können viel Geld sparen.

Wie die Berliner FreeCar Berlin GmbH werben derzeit viele EU-Importwagenhändler mit Preisvorteilen von bis zu 30 Prozent gegenüber dem Listenpreis der Hersteller. Ein weiterer Preisrückgang ist jedoch unwahrscheinlich: „Der Wettbewerbsdruck ist bei Reimporten gewaltig, es gibt keinen Spielraum mehr nach unten“, sagt Theo Breitgoff, Vorsitzender des Bundesverbandes freier Kfz-Importeure. Dass der Kauf eines Importautos lohnen kann, haben inzwischen viele Verbraucher gemerkt. Importe haben nach Angaben Breitgoffs mittlerweile einen Marktanteil von 20 Prozent. Tendenz steigend.

Die Preisunterschiede entstehen vor allem durch die unterschiedlichen Steuersysteme innerhalb der EU. In einigen Ländern ist die Mehrwertsteuer höher als in Deutschland. Außerdem müssen beispielsweise Dänen, Finnen, Niederländer oder Portugiesen nach dem Autokauf hohe Steuern zahlen. Folge: Die meisten Hersteller setzen in diesen Ländern die Preise für ihre Fahrzeuge niedrig an, um den Kunden erschwingliche Endpreise bieten zu können. In Deutschland sind die Preise vor Steuern dagegen sehr hoch.

Wer einen EU-Importwagen kaufen möchte, hat zwei Möglichkeiten: Entweder man fährt selbst ins Ausland oder man kauft das Fahrzeug bei einem EU-Importwagenhändler. Für den direkten Autokauf in einem der anderen EU-Mitgliedstaaten ist vor allem die genaue Planung wichtig. Eigentlich müssen die Autokäufer zweimal ins Ausland: einmal, um den Kaufvertrag zu unterschreiben, und dann nochmals, um das Auto abzuholen. Wenn sich Zulassungsstelle und Versicherung jedoch vorerst mit der Kopie des Kaufvertrags zufrieden geben, reicht eine Reise. Allerdings muss man das Original später nachreichen. Für jeden Käufer eines EU-Importwagens gilt: Achten Sie darauf, dass Ihnen der Händler den Kaufvertrag beziehungsweise die Originalrechnung mitgibt, rät Winfried Oldenbürger vom Europäischen Verbraucherzentrum in Kiel. Wichtig sei auch, dass der Händler die EU-Betriebserlaubnis und das Serviceheft mit genauem Übergabedatum, Fahrgestellnummer sowie Stempel und Unterschrift überreicht.

Auch die Autos, die über den Drogeriemarkt Schlecker vertrieben werden, sind EU-Importe. Der eigentliche Vertragspartner der Käufer ist nicht der Drogeriemarkt, sondern die Jütten & Koolen Automobile GmbH. Seit vier Wochen verkauft das Autohaus Fahrzeuge über das Internetportal von Schlecker – selbst Modelle von Porsche und Jaguar – und wirbt mit bis zu 30 Prozent Ersparnis. „In den ersten beiden Tagen hatten wir 15 000 Zugriffe auf die Seite. In den vergangen Wochen haben wir rund 40 Autos verkauft“, sagt Niederlassungsleiter Alexander von der Forst.

Neben Schlecker bietet auch das Versandhaus Quelle Billigautos an. Quelle wirbt mit bis zu 22 Prozent Ersparnis gegenüber dem Hersteller-Listenpreis. Das Versandhaus verkauft in Partnerschaft mit Carplus, einer Vermarktungsagentur aus Bayreuth, ausgewählte Modelle der Marken Ford, VW und Opel. Möglich sind die Rabatte, indem EU- Neuwagen und deutsche Tageszulassungsfahrzeuge angeboten werden. Das Angebot sieht Kerstin Hoppe vom Bundesverband der Verbraucherzentralen skeptisch. Der Verband hat Quelle verklagt, weil die Preisnachlässe, mit denen das Versandhaus bei Tageszulassungen wirbt, „teilweise irreführend“ seien, so die Verbraucherschützer. Tageszulassungen seien keine Neufahrzeuge.

Keine Probleme gibt es mit EU-Importautos bei Garantiefällen. Allerdings sollten Käufer unbedingt darauf achten, dass man ein von einem autorisierten Vertragshändler abgestempeltes Serviceheft bekommt, rät der ADAC. Nur dann ist es möglich, bei jedem anderen Vertragshändler die Mängel beseitigen zu lassen. Anders verhält es sich mit den gesetzlichen Ansprüchen auf Sachmängelhaftung. Denn diese kann man immer nur gegenüber dem Verkäufer geltend machen. Das ist problematisch, wenn sich der Verkäufer in einem anderen Land befindet. Und bei Schlecker oder Quelle? Da holen die Autohäuser Jütten & Koolen oder carplus das Fahrzeug beim Kunden ab oder kooperieren mit einem Händler in der Nähe.

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