Autos in 3-D : Auf die Straße gedruckt

Die amerikanische Firma Local Motors will auch in Berlin Autos mit dem 3-D-Printer fertigen. Senatsverwaltung und BVG sind offenbar interessiert.

Michael Pöppl
Rennkiste mit Spaßfaktor. Der rasante Rally Fighter besteht aus einer handgearbeiteten Kunststoffkarosserie und Komponenten verschiedener Autohersteller, hat knapp 450 PS und kostet 99.990 Dollar.
Rennkiste mit Spaßfaktor. Der rasante Rally Fighter besteht aus einer handgearbeiteten Kunststoffkarosserie und Komponenten...Foto: promo

Ein Auto aus dem 3-D-Drucker? Im November 2014 hat die amerikanische Firma Local Motors erstmals gezeigt, wie das funktionieren kann. Alle Produktionsabläufe an ihrem Stand auf der „Sema Autoshow“ in Las Vegas waren live im Internet zu sehen. Innerhalb von 44 Stunden war die Karosserie aus einem Plastik-Carbon-Gemisch ausgedruckt, abgeschliffen und, inklusive ebenfalls gedruckter Innenausstattung, auf ein vorbereitetes Fahrgestell mit einem Renault-Twizy-Elektromotor installiert. Der „Strati“ war in Rekordzeit fahrbereit, wie man einem staunenden Publikum vorführte. Zwischen 18.000 und 30.000 Dollar soll der leichte Kleinwagen kosten, bis zu 80 Stundenkilometer erreichen und eine Reichweite von 100 Kilometern haben.

„Der Strati ist das ideale Stadtauto“, sagt Damien Declercq, Vizepräsident des amerikanischen Autobauers, „ich bin mir sicher, dass es viele Berliner lieben würden.“ Er sitzt an der Bar des „Le Labo“, eines hippen Cafés in Kreuzberg. Damien Declercq wirkt wie ein kalifornischer Surfer, breites Lächeln, blond und sportlich. Seit Sommer 2014 hat er zwei Schreibtische im Rainmaking Loft nebenan gemietet. In dem Gemeinschaftsbüro für Start-ups befindet sich die Europazentrale des US-Autobauers, der den Weltmarkt revolutionieren will.

Berlin wäre als Produktionsort interessant

Declercqs Aufgabe als Verantwortlicher für das „New Business Development“ ist es, für Local Motors von Berlin aus den europäischen Markt zu sondieren und auch in der deutschen Hauptstadt Geschäfts- und Kooperationspartner zu finden. Mit der Senatsverwaltung, der BVG, Autovermietern und mehreren Berliner Herstellerfirmen steht er bereits im Kontakt. Wenn alles klappt, wird er noch in diesem Jahr einen Standort für eine Microfactory in Europa festlegen können, in der kompakte und preiswerte Elektroautos mithilfe eines 3-D-Druckers gebaut werden sollen.

„Berlin oder das nähere Umland wären auch als Produktionsstandorte sehr interessant“, erklärt Damien. „Es gibt hier viele Start-ups in allen möglichen Bereichen, mit denen wir zusammenarbeiten könnten, es gibt bezahlbare Flächen und viele Menschen, die für neue Ideen offen sind.“ Der europäische Markt sei für Local Motors besonders interessant, weil hier das Ökobewusstsein weiter entwickelt sei als in den USA.

Der erste Serienwagen fährt in den USA

Declercq hat Management in Frankreich studiert und beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema Elektromobilität, die er für die Antriebsart der Zukunft hält. 2010 lernte er John „Jay“ Rogers, den Mitbegründer von Local Motors kennen, der ihn nach Boston holte und ihn dann mit der Gründung der ersten Microfactory in Phoenix/Arizona beauftragte.

Dort haben die amerikanischen Autobauer ihren ersten Serienwagen auf die Straße gebracht: Der rasante Rally Fighter besteht aus einer handgearbeiteten Kunststoffkarosserie und Komponenten verschiedener Autohersteller, hat knapp 450 PS, kostet 99.990 Dollar und wurde ursprünglich als reiner Geländewagen geplant. Inzwischen ist er auch in 50 US-Bundesstaaten für die Straße zugelassen. Die coole Karre begeistert Autofans nicht nur in den USA: Bis in die legendäre britische TV-Autoschrauber-Show „Top Gear“ hat es der Rally Fighter geschafft.

Alles entsteht im Netz

Sogar ein Militärfahrzeug haben die Autobauer entworfen und in die Realität umgesetzt: In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle der US Army entstand der „Darpa XC2V“, ein geländegängiges und preiswertes Einsatzfahrzeug. Die besondere Herausforderung für das Team um den Ex-Marine Jay Rogers wurde zum absoluten PR-Erfolg. In nur fünf Monaten stand der Prototyp fertig bei der Präsentation, die US-Präsident Barack Obama im Januar 2011 persönlich vor den TV-Kameras abnahm, wie Damien stolz erzählt.

Doch Rogers und seinem Team geht es um mehr als nur darum, preiswerte Militärfahrzeuge oder abgedrehte Autos für PS-Freaks zu bauen. Egal ob Lastfahrzeug, Rennkiste oder Spaß-Trike: Alle Konstruktionspläne entstehen im Netz, die Ingenieure der Firma liefern die Vorgaben, welche Art von Fahrzeug gebaut werden soll, und eine weltweite Community von Auto-Enthusiasten beschäftigt sich mit den technischen und praktischen Details.

100 Fabriken mit 100 Arbeitsplätzen

Local Motors setzt dabei auf die Schwarmintelligenz, die unterschiedlichen Kenntnisse der Mitglieder. „The Forge“, die Schmiede, wird solch eine Open-Source-Plattform bei Local Motors genannt. Im Moment sind rund 48.000 Menschen in 130 Ländern an diesen virtuellen Planungen beteiligt, mehr als 80 verschiedene Fahrzeug-Prototypen sind so schon gebaut worden.

Damien Declercq erklärt seine Vision einer globalen Kooperation der klugen Köpfe, die gemeinsam drängende Probleme lösen können, zum Beispiel die Klimaerwärmung bremsen, indem man auf Elektromobilität setzt. Dazu kommt auch ein ökonomisches Kalkül: Local Motors will althergebrachte Geschäftsmodelle im Fahrzeugbau aushebeln, dabei Zeit, Ressourcen und Kosten sparen und den Menschen weltweit den Zugang zu neuen Techniken ermöglichen und dabei auch noch Spaß an Autos haben.

Ein bisschen "crazy"

Geht es nach Jay Rogers, werden in den nächsten zehn Jahren 15 bis 20 Mikrofabriken von Local Motors allein in Europa entstehen, in denen jährlich bis zu 3000 Wagen gebaut werden. 100 solcher Microfactorys mit 100 Arbeitsplätzen sind weltweit geplant, auch in Asien, Nordafrika oder dem Mittleren Osten, drei gibt es zurzeit schon in den USA.

Ist solch eine Anstrengung für eine kleine Firma wie Local Motors überhaupt zu stemmen? Damien Declercq zeigt sich da optimistisch. „A little crazy“ sei das schon, wie sich das gerade entwickle, sagt er. Aber, wie das Team von Jay Rogers seit 2007 immerhin mehrfach bewiesen habe: Ein bisschen Crazyness kann nicht schaden, wenn man eine gute Idee verwirklichen will.

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