Wirtschaft : Autos von Quelle – fast wie neu

Versandhaus bietet im Internet hohen Rabatt /Tageszulassungen ermöglichen geringe Preise/Kritiker warnen vor Wertminderung

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Düsseldorf (tas). „Autokauf mit bis zu 22 Prozent Ersparnis. Nur in begrenzter Stückzahl! Entscheiden Sie schnell!“ Mit diesen Worten auf seiner Internetseite ( www.quelle.de ) will der Fürther Versandhändler Quelle seine Kunden dazu animieren, nicht nur Jeans und Socken, sondern auch einen fahrbaren Untersatz zu kaufen – angeblich einen Neuwagen. Doch Experten sind der Meinung, dass es sich um ein Gebrauchtwagengeschäft handelt.

Von den 5,5 Millionen Menschen, die bei einer QuelleAktion im April und Mai einen Smart für den Spottpreis von 1990 Euro kaufen wollten, haben mehr als 100 000 angegeben, sie hätten Interesse an weiteren Autoangeboten. Grund genug, jetzt elf verschiedene Modelle zusammen mit seiner Partnergesellschaft Carplus anzubieten. Und wenn man der Vertriebsgesellschaft glauben darf, ist die Aktion bisher ein voller Erfolg. „Am ersten Tag hatten wir 17 463 Besucher auf unserer Internetseite, und in unserem Call-Center haben sich über 500 Anrufer gemeldet“, sagt Heiko Eich, Geschäftsführer von Carplus. Wie viele fest bestellt haben, verrät er aber nicht.

Quelle tritt nicht als Verkäufer, sondern als Vermittler des Geschäftes auf. „Quelle liefert das Kundenpotenzial, das eigentliche Geschäft wickeln wir ab“, sagt Eich. Die Autos beziehe Carplus von mehreren hundert Vertragshändlern. Auf der Internetseite von Carplus ist zu lesen, dass es sich bei den Fahrzeugen um EU-Neuwagen (Nissan Micra und Smart), also nach Deutschland reimportierte Wagen (siehe Lexikon Seite 18), handelt. Nachlass laut Angebot bei Nissan 15 Prozent und beim Smart zehn Prozent gegenüber dem Listenpreis.

Diverse Ford-Modelle und der VW Golf werden dagegen als so genannte Tageszulassung angeboten. Das sind Autos, die nur für einen oder wenige Tage vom Händler zugelassen werden, um sie dann mit deutlichen Preisabschlägen verkaufen zu können. In den Allgemeinen Verkaufsbedingungen von Carplus steht: „Die angebotenen Fahrzeuge sind Neufahrzeuge mit Tageszulassung und nicht gefahren.“ Aber genau an diesem Passus entzündet sich die Kritik. Auch wenn die Fahrzeuge keinen Meter bewegt wurden, verkaufe Carplus keine Neuwagen, sondern gebrauchte, sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der Automobilexperte warnt: „Durch die Tageszulassung bekommt man einen zweiten Eintrag in den Fahrzeugbrief, und der ist dann ganz schön wertmindernd. Wer so ein Auto nach zwei, drei Jahren wieder verkauft, verliert im Vergleich zum Verkauf eines Wagens mit nur einem Halter zwischen fünf und zehn Prozent.“ Carplus bietet die Tageszulassungen, meist Ford-Modelle, mit einem Preisnachlass von bis zu 22 Prozent (Ford Galaxy) auf den Listenpreis des Herstellers an. Den Golf Ocean 1,9 TDI gibt es für 17 858 Euro, laut Werbung sind das 15 Prozent Ersparnis. „Bei der heutigen Situation auf dem Automarkt kriege ich bei jedem Wald- und Wiesenhändler mindestens genau so viel Nachlass“, meint Dudenhöffer. Eine Tageszulassung sei ohnehin immer mit einem Rabatt verknüpft. Je nachdem von welchem Hersteller das Auto sei, könne der verhandlungssichere Kunde selbst Nachlässe von bis zu 20 Prozent heraushandeln, ist der Autoexperte überzeugt und verweist dabei auch auf die Flut von Angeboten bei Internet-Plattformen wie Autoscout24 oder Mobile.de.

Auch bei Ford ist man sich sicher, dass die Vertragshändler mit den Quelle-Preisen mithalten können. „Wenn man beim Händler genau hinschaut, gibt es dort ähnliche Angebote. Dazu kommt dann noch der ganze Service wie Probefahrt, eine vernünftige Beratung oder die Inzahlungnahme des alten Autos“, sagt Johann Gesthuysen, Hauptgeschäftsführer des Ford-Händlerverbandes.

Gleichzeitig kommt den Käufern derzeit auch zugute, dass Fords Geschäfte stocken. Dudenhöffer: „Ford wird derzeit an allen Ecken und Enden gebeutelt, weil die Produkte nicht mehr ganz taufrisch sind.“ Deswegen legt der Kölner Automobilkonzern selbst immer wieder Programme auf, um den Absatz zu beleben. Im März bot Ford beispielsweise bei einem Neuwagenkauf zusätzlich an, den gebrauchten mit einem Aufschlag von bis zu 2500 Euro in Zahlung zu nehmen. „Es wird sicherlich weitere Programme geben“, sagt Ford-Sprecher Erik Walner. Er sieht die Quelle-Aktion bisher nicht als Bedrohung, sondern eher als Marketingveranstaltung Walner ist sich sicher, dass die Zahl der über das Internet verkauften Fahrzeuge auch in Zukunft sehr überschaubar bleiben wird.

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