Autoschau IAA : Die Chinesen kommen

Die Zahl der chinesischen Aussteller auf der Automesse IAA hat sich verzehnfacht. Der westeuropäische Markt bleibt schwach.

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Zur IAA, im Bild die letzte Show 2011, werden Hunderttausende erwartet.
Zur IAA, im Bild die letzte Show 2011, werden Hunderttausende erwartet.Foto: dpa

Berlin - Im Umgang mit Statistiken gibt es reichlich Spielraum. Am Dienstag überraschte Autopräsident Matthias Wissmann mit einer eigenwilligen Interpretation der aktuellsten Verkaufszahlen in Deutschland. Mit 214 000 Autos waren im August 5,5 Prozent weniger zugelassen worden als vor einem Jahr. Dazu Wissmann: „Die bereits im Juli erkennbare Stabilisierung des Pkw-Inlandsmarktes hat sich im August fortgesetzt.“ Zu dieser überraschenden Interpretation kam der Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), indem er die Zahl der verkauften Autos auf die Zahl der Arbeitstage verteilte. Und da der August 2013 einen Tag weniger hatte als der August 2012, „entspricht das Zulassungsvolumen dem des Vorjahres“.

Das war Wissmann wichtig, denn am Dienstag stellte er das Programm der in der nächsten Woche beginnenden IAA vor, der größten Automesse der Welt, die vom VDA alle zwei Jahre als großes PS- Spektakel organisiert wird. Am 12. September eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Show in Frankfurt am Main, wo dann bis zum 22. September 70 Weltpremieren zu bestaunen sind. Besonders auffällig in diesem Jahr: Die Zahl der Aussteller aus China hat sich gegenüber der IAA 2011 verzehnfacht; heute sind es 129, aus den USA kommen dagegen nur 21 Unternehmen an den Main. Dabei hat der US-Markt zumindest in diesem Jahr das gleiche Volumen wie China. Nach Schätzungen des VDA kaufen die Chinesen 2013 rund 15,2 Millionen Autos, das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch auch die USA haben die Folgen der Finanzkrise 2008/09 verkraftet, in diesem Jahr werden dort mit 15,2 Millionen Autos rund fünf Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt als 2012. In Westeuropa hingegen drückt die Wirtschaftskrise in den Mittelmeerländern den Markt um fünf Prozent auf 11,2 Millionen Pkw. Damit werden in Westeuropa in diesem Jahr rund 2,5 Millionen Autos weniger verkauft als 2009 – allerdings half in jenem Jahr die Abwrackprämie dem Absatz hier und da gewaltig auf die Sprünge: Gut 3,8 Millionen Neuwagen wurden damals in Deutschland verkauft, in diesem Jahr werden es knapp drei Millionen sein, etwas weniger als 2012. In den kommenden Jahren erwartet Wissmann auf dem gesättigten deutschen Markt ein stagnierendes Volumen um die drei Millionen.

Das Wachstum findet, wie bereits 2013, woanders statt. Immerhin werden im laufenden Jahr weltweit gut 71 Millionen neue Autos verkauft, das sind drei Prozent mehr als vor einem Jahr. Davon profitieren VW, BMW, Mercedes und Audi, die alle über Produktionsstandorte im Ausland, vor allem in China, verfügen. In den inländischen Fabriken montierten die deutschen Hersteller in den ersten acht Monaten knapp 3,6 Millionen Autos und damit zwei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Davon gingen gut 2,7 Millionen in den Export (ebenfalls ein Minus um zwei Prozent).

Neben neuen Autos stehen zwei technologische Trends im Mittelpunkt der IAA: Die Elektromobilität und das vernetzte Fahrzeug. Trotz bislang erbärmlicher Verkaufszahlen glaubt Wissmann an das Ziel von einer Millionen Stromautos im Jahr 2020. Bei der Vernetzung gehe der Trend zum automatisierten Fahren. Das neue Auto könne aufgrund von elektronischen Assistenzsystemen „weiter sehen, als es der Fahrer jemals konnte“, freut sich der Autopräsident.

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