Wirtschaft : Autoversicherer müssen sich Kritik stellen

Überhöhte Prämien vorgeworfen / Bundesaufsichtsamt in Berlin macht sich noch keine Sorgen BERLIN / SAARBRÜCKEN (dpa).Der Bund der Versicherten hat den Autoversicherern vorgeworfen, mit "Scheinstatistiken" Finanzlücken vorzutäuschen.Sie dienen nach Darstellung der Verbraucherorganisation als Begründung für Prämienerhöhungen.Den Aufsichtsbehörden bereiten die durch den harten Rabattwettbewerb in die Verluste gefahrenen Autoversicherer noch keine Sorgen.Die Zukunftsvorsorge sei 1997 nicht vernachlässigt worden, teilte das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen am Donnerstag aufgrund vorläufiger Zahlen in Berlin mit. Zwar seien die Beiträge in der Kraftfahrtversicherung um 4,4 Prozent auf 40,3 Mrd.DM zurückgegangen.Die Brutto-Einzel-Rückstellungen für Versicherungsfälle des Geschäftsjahres seien jedoch erheblich, nämlich um 4,6 Prozent, gestiegen.Für nicht abgewickelte Versicherungsfälle aus Vorjahren sei die Brutto-Einzel-Rückstellung um 9,3 Prozent aufgestockt worden.Damit seien die Risiken abgedeckt, sagte die Behörden-Sprecherin Elke Waßhausen-Richter. Der Geschäftsführer des Bundes der Versicherten, Hans Dieter Meyer, sagte am Donnerstag im "Saarländischen Rundfunk", die Versicherungsgesellschaften würden in den aktuell vorgestellten Bilanzen lediglich die Schadenszahlungen mit den Beitragszahlungen vergleichen."Sie bereiten uns darauf vor, daß sie demnächst die Prämien erhöhen werden, damit sie auch ihre großen Gewinne weiterhin behalten können." Die Versicherungen besäßen "riesige Vermögen" durch Erträge aus Rücklagen, die Allianz beispielsweise "16 Mrd.DM stille Reserven".Meyer: "Damit könnte sie vier Jahre lang sämtliche Autoversicherungsprämien in der Haftpflicht für die Autofahrer finanzieren." Zudem hätten die Versicherungsunternehmen "im Bereich der Kasko 2 Mrd.DM Überschuß". Bei Kapitalanlagen haben die Versicherungsunternehmen laut Bundesaufsichtsamt Möglichkeiten des Aktienerwerbs noch nicht ausgeschöpft.Ihre gesamten Kapitalanlagen erhöhten sich im vergangenen Jahr um 10,2 Prozent auf 1,347 Mrd.DM.Obwohl der Buchwert der Aktien um 34,1 Prozent zunahm, liege der Aktienanteil an den Anlagen mit 3,6 Prozent immer noch deutlich unter den gesetzlichen Möglichkeiten.Danach können Versicherer bis zu 30 Prozent in Aktien festlegen.Nach Angaben des Branchen-Fachausschusses Autoversicherer vom Dienstag haben die Gesellschaften 1997 einen versicherungstechnischen Verlust von knapp 300 Mill.DM verbucht.Das Ergebnis habe sich damit in Jahresfrist um 1,2 Mrd.DM verschlechtert.Grund sei der Rückgang der Prämieneinnahmen wegen hoher Rabatte. Auch in diesem Jahr müsse mit einer Verschlechterung des Ergebnisses gerechnet werden.Die Marktführer Allianz und HUK erhöhten am Jahresanfang die Tarife bei Neuabschlüssen.

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