Autozulieferer : Beifall für die Einigung von Conti und Schaeffler

Die Familienfirma Schaeffler erhöht das Angebot für Continental um fünf Euro für maximal 49,99 Prozent. Die Macht über den Dax-Konzern bekommt sie für fünf Milliarden Euro. Die Strategie von Conti soll unverändert bleiben - Schaeffler-Gegner Wennemer muss allerdings gehen.

Alfons Frese
Wennemer
Das wars. Manfred Wennemer, Vorstandsvorsitzender, verlässt Conti Ende des Monats. -Foto: dpa

BerlinDie neue Partnerschaft von Continental und Schaeffler ist in Politik und Wirtschaft begrüßt worden. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) würdigte die Vereinbarung des fränkischen Familienunternehmens mit dem Dax-Konzern aus Hannover als „sehr positiv“. Ähnlich äußerten sich die beteiligten Gewerkschaften. Franz Fehrenbach, Chef des weltgrößten Autozulieferers Bosch und Konkurrent von Conti, sprach von „einer Stärkung der deutschen Automobilindustrie im globalen Wettbewerb“. Automarktexperte Ferdinand Dudenhöffer meinte, die Allianz von Schaeffler und Conti sei „das Beste, was passieren konnte“.

Am Ende eines sechswöchigen Übernahmestreits hatten sich Conti und Schaeffler am Mittwochabend auf eine „Investorenvereinbarung“ verständigt. Danach erhöht Schaeffler das Angebot für eine Conti-Aktie um rund fünf auf 75 Euro. „Dies entspricht einem zusätzlichen Betrag von rund 800 Millionen Euro für die Aktionäre bzw. einer Prämie von 39 Prozent gegenüber dem Aktienkurs der Continental AG unmittelbar vor Bekanntwerden der Übernahmeabsicht“, teilte Conti mit.

Allerdings ist Conti mit zuletzt gut 26 Milliarden Euro Umsatz und 150 000 Mitarbeitern in aller Welt dennoch ein Schnäppchen für das Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach. Denn in den vergangenen Wochen hat Schaeffler selbst schon gut acht Prozent der Conti-Aktien erworben, und zwar zu deutlich weniger als 75 Euro. Das gilt auch für die 28 Prozent, die sich Conti über Finanzgeschäfte von Banken bereits mittelbar gesichert hat. Falls Schaeffler diese insgesamt 36 Prozent auf 49,99Prozent aufstocken würde – mehr ist nach der Vereinbarung mit Conti in den nächsten vier Jahren nicht möglich, „bezahlt Schaeffler für die knapp 50 Prozent deutlich weniger als fünf Milliarden Euro“, meinte Dudenhöffer.

Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger freute sich am Donnerstag über die „Kombination zweier deutscher Technologieführer, die innovative Lösungen für die künftigen Herausforderungen der Automobilindustrie liefern wird“. Geißingers Widersacher in den vergangenen Wochen, Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer, äußerte sich nicht. Wennemer ließ vielmehr mitteilen, er habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn zum 31. August aus seinem Vertrag zu entlassen. „Der Aufsichtsrat hat dieser Bitte mit großem Respekt für die Leistung Wennemers zugestimmt“, heißt es in einer Conti-Mitteilung. Sein Nachfolger werde vermutlich am Wochenende bestimmt. Als Kandidaten gelten Conti-Technikvorstand Karl-Thomas Neumann und Finanzvorstand Alan Hippe.

Neben dem höheren Preis gab Schaeffler auch Zusagen über die künftige Strategie, die Arbeitsplatzsicherheit und einen Nachteilsausgleich. Falls durch den Einstieg von Schaeffler steuer- und finanztechnische Nachteile entstehen, wird Schaeffler diese bis zu einer Höhe von 522 Millionen Euro ausgleichen. „Die bisherige Strategie und Geschäftspolitik des Vorstands wird Schaeffler unter Beibehaltung des bisherigen Markt- und Markenauftritts unterstützen und keine Verkäufe oder sonstige wesentliche Strukturmaßnahmen verlangen“, heißt es in einer schriftlichen Erläuterung von Conti. Es war in den vergangenen Wochen spekuliert worden, ob Schaeffler womöglich den Geschäftsbereich Reifen verkaufen würde, um mit dem Erlös die Conti-Übernahme zu finanzieren.

IG Metall und IG BCE legten Wert auf die Vereinbarung, dass „die Schaeffler KG ohne Zustimmung des Vorstands keinerlei Maßnahmen treffen oder unterstützen wird“, die Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge oder die Mitbestimmung überhaupt beeinträchtigen könnten. Vielmehr verpflichte sich Schaeffler, die bei Conti „bestehenden Rechte der Mitarbeiter, Betriebsräte und Gewerkschaften zu respektieren“. Damit die Vereinbarung auch eingehalten wird, „wurde als Garant Herr Bundeskanzler a.D. Dr. Gerhard Schröder gewonnen“. Schröder hat gute Kontakte zu Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg und dessen Stellvertreter Werner Bischoff von der IG BCE. Nachdem der Streit nun beigelegt ist, wollen die neuen Partner „unverzüglich Möglichkeiten strategischer Kooperationsprojekte prüfen“.

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