Autozulieferer : Karmann steht zum Verkauf

Die Eigentümerfamilie reagiert auf das schwieriges Geschäft. Die Abteilungen Lackiererei und Endmontage müssen eventuell 2010 geschlossen werden.

Frankfurt am Main / Düsseldorf Die Eigentümer des Automobilzulieferers Karmann erwägen einen Verkauf des Unternehmens. Gespräche mit möglichen Interessenten laufen bereits. „Die Familie prüft alle strategischen Optionen“, bestätigte ein Sprecher der Gesellschafter dem Handelsblatt auf Anfrage. Ziel sei die Zukunftssicherung des Unternehmens. Eine Entscheidung soll nicht vor Juli fallen.

Das 107 Jahre alte Osnabrücker Unternehmen, bekannt geworden in den fünfziger Jahren als Hersteller des Kultautos Karmann Ghia, steht damit vor einer Zäsur. Die Eigentümer reagieren auf die anhaltenden Probleme mit der Traditionssäule Fahrzeugbau: Firmenchef Peter Harbig sucht neue Auftraggeber für die Lohnfertigung. Karmann muss sonst die Abteilungen Lackiererei und Endmontage 2010 schließen. Die zweitwichtigste Säule des Unternehmens, die Herstellung von Cabriodächern für zahlreiche Autohersteller, floriert dagegen.

7000 Mitarbeiter weltweit

Karmann setzte 2007 mit knapp 7000 Mitarbeitern weltweit rund 1,5 Milliarden Euro um – bedingt durch Einbrüche im Fahrzeugbau fast 16 Prozent weniger als 2006. Am Stammsitz Osnabrück mussten bereits 500 der 5000 Mitarbeiter in Deutschland gehen. Gut 1000 weitere Stellen sollen abgebaut werden. Noch einmal dieselbe Zahl käme laut IG Metall bei der Aufgabe des Fahrzeugbaus dazu. Ende des Monats läuft die von Firmenchef Harbig gesetzte Frist für den angeschlagenen Bereich ab. Der letzte Montagejob in Osnabrück, das Mercedes CLK Cabrio, läuft im Herbst 2009 aus.

Fertigungsaufträge sind selten geworden. Die Autokonzerne können inzwischen den Bau von Nischenmodellen wie Cabrios in ihren eigenen Fabriken abwickeln und so ihre Kapazitäten besser auslasten. Außerdem gerät Karmann unter wachsenden Konkurrenzdruck: Zwei Aufträge gingen in den vergangenen Monaten an den Wettbewerber Magna Steyr. Die Österreicher bauen in Zukunft für BMW die Geländevariante des Minis und für Aston Martin ein viertüriges Sportcoupé. Volkswagen lässt die Neuauflage seines Golf Cabrios nicht mehr in Osnabrück bauen.

Als Investoren für Karmann kommen aus Sicht von Branchenkennern vor allem Chinesen und Inder infrage, die es bei ihrer Expansion nach Europa auf die technische Kompetenz der Karmann-Ingenieure bei der Entwicklung von Fahrzeugen absehen könnten. hgn/mcs/(HB)

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